Tag 3 – Freitag: Von Fantasy bis Nu Metal
Sonata Arctica starteten den Tag kraftvoll. Sänger Tony Kakko und seine Mitstreiter zeigten sich spielfreudig, das Set war emotional und mitreißend. Die Finnen legten mit Songs vom neuen Album "Clear Cold Beyond" los und kombinierten sie geschickt mit Klassikern wie "Replica" und "FullMoon". Das Publikum, das schon früh zahlreich erschien, ging begeistert mit, vor allem bei der gefühlvollen Ballade "Tallulah", die für Gänsehaut sorgte. Besonders Gitarrist Elias Viljanen brillierte mit technisch anspruchsvollen Soli, während Drummer Tommy Portimo mit unermüdlicher Energie das Tempo vorgab. Ein gelungener Auftakt in den Festivalfreitag.
Weiter gings mit Blues Pills. Sie feierten den Release ihres Albums "Birthday" mit einer warmherzigen, energiegeladenen Show. Frontfrau Elin Larsson verteilte Platten ins Publikum – selten ist der Begriff "Publikumsnähe" treffender. Die Band strahlte Spielfreude aus, und Songs wie "Proud Woman" oder "Kiss Me Goodbye" entfalteten live eine noch größere Wirkung als auf Platte. Die Kombination aus Vintage-Charme, kraftvoller Stimme und bluesgetränktem Rock brachte eine nostalgische Note ins Line-up, die von der Menge mit viel Applaus bedacht wurde.

Feuerschwanz bewiesen einmal mehr, dass sie das Comedy-Image längst abgelegt haben. Mit Pyro, Ohrwürmern und Festivalhymnen machten sie den Platz vor der Faster Stage zum Hexenkessel. Mit einer durchinszenierten Show, begleitet von imposanten Lichteffekten und einem Bühnenbild, das selbst Headliner erblassen lässt, wurden Hits wie "Memento Mori", "Das Elfte Gebot" und "Untot im Drachenboot" zelebriert. Für das Manowar-Cover "Warriors of the World United" holte man sich Unterstützung von Saltatio Mortis – ein Fanservice erster Güte.
Die Gene Simmons Band gibt hauptsächlich Kiss-Songs und Cover wie Motörheads ´Ace Of Spades´ zum Besten. Musikalisch ist der Auftritt auch dank exzellenter Band tadellos, angesichts der quasi nicht vorhandenen Bühnenshow und aufgrund des merkwürdigen Humors von Mr. Simmons springt der Funke bei den meisten heute nicht über. Am Ende stimmt er den Kiss-Klassiker ´Rock And Roll All Nite´ als Finale mit zehn Minuten Verspätung an.

Leicht hat es an diesem Nachmittag die multinationale Kapelle Beast in Black, die wohl zu dieser Zeit für die größte Furore vor den Hauptbühnen sorgt. Gereckte Fäuste, tanzende Körper und ausufernde Singalongs sind zentraler Gegenstand dieser 60 Minuten Querschnitt aus Heavy- und Power Metal. Dazu geht der Preis für die vielleicht coolste Gitarre dieses Wochenendes an Kasperi Heikkinen. Egal wie man zu Bombast-Metal dieser Stilrichtung stehen mag: Das Quartett erfüllt mit seinem Auftritt nicht nur alle Klischees, sondern inszeniert daraus auch eine absolute Metalparty zum Abgehen.
Blind Guardian wirkten solide, aber etwas vorhersehbar. Die Lautstärke war im Vergleich zu anderen Bands zu gering – ein Umstand, der die Stimmung etwas dämpfte. Dennoch lieferten die Krefelder mit "Imaginations from the Other Side" und "Mirror Mirror" große Klassiker ab, die textsicher mitgesungen wurden. "The Bard’s Song" war wie gewohnt der emotionale Höhepunkt, bei dem sich das Publikum in den Armen lag. Trotz kleinerer technischer Schwächen blieb die Aura der Power-Metal-Veteranen ungebrochen.

Korn hingegen rissen das Ruder wieder herum: Jonathan Davis in Bestform, ein Set voller Hits, tighter Sound – die Nu-Metal-Legenden lieferten ab. Der Bass dröhnte tief in der Magengrube, Ra Diaz vertrat Fieldy überzeugend, und der Sound war so gewaltig wie differenziert. "Freak on a Leash", "Blind" und "Y'All Want a Single" rissen das Publikum mit, das im Staub tanzte, sprang und Crowd-surfte. Es war eine der energiegeladensten Shows des Tages – ein Höhepunkt, der noch lange nachhallte.
Pain um Hauptmusiker Peter Tägtgren machen nicht viel falsch und treffen den Nerv auch ohne große Verrenkungen. Augenscheinlich ist der gute Zentraldarsteller noch ordentlich angeschlagen. Egal. Trotz alledem funktionieren Hits wie „Party In My Head“ oder die typischen Tägtgren-Witze a la „Do you like Blues? Yes? Then Fuck You!“ einfach auch so.

Watain schlossen die Nacht mit einem höllischen Ritual: Feuer, Blut, ein komplettes Album – wer zu später Stunde noch Energie hatte, wurde mit einer okkulten Black-Metal-Messe belohnt. Die Schweden spielten ihr Album "Lawless Darkness" in voller Länge und erschufen eine dichte, unheilvolle Atmosphäre, unterstützt durch Fackeln, aufwendige Requisiten und eine eindrucksvolle Lichtregie. Erik Danielsson wirkte wie im Rausch, zwischen blutverschmierten Ritualen und ekstatischen Gesten. Es war eine Performance, die mehr als nur ein Konzert war – es war ein Erlebnis, das die Grenzen zwischen Musik, Theater und spiritueller Erfahrung verschwimmen ließ.
