Wacken Open Air 2024
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Tag 2 – Donnerstag: Vergangenheit trifft Moderne

Dio Disciples eröffneten mit einem Tribute-Set voller Dio-Klassiker – inklusive "Holy Diver" mit Joey Belladonna und "Heaven And Hell" mit Oni Logan. Die Band zeigte sich musikalisch stark und routiniert, was vor allem bei Tracks wie "Stargazer" und "Children of the Sea" deutlich wurde. Besonders beeindruckend war die Dynamik zwischen den beiden Sängern, die den Geist von Ronnie James Dio mit großem Respekt und emotionaler Tiefe zum Leben erweckten. Die Instrumentalfraktion lieferte ein solides Fundament und sorgte für einen atmosphärischen Einstieg in den Tag.

Traditionell wird der Wackener Band Skyline donnerstags die Ehre zuteil, um 15 Uhr die Faster Stage im Infield zu eröffnen. Der Start fällt mit dem Airbourne-Cover ´Runnin´ Wild´ furios aus, wohingegen die folgende Eigenkomposition ´Black Star´ nicht über Standard-Hardrock hinauskommt. Auch wenn sich die Truppe gern von ihrer Coverband-Vergangenheit freischwimmt, funktionieren Fremdkompositionen wie der AC/DC-Klassiker ´If You Want Blood (You´ve Got It)´ oder die Journey-Stücke ´Seperate Ways (Worlds Apart)´ und ´Wheel In The Sky´ am besten. Bei den beiden letztgenannten bekommt die Band darüber hinaus Unterstützung von Joey Belladonna.

Rage feierten 40 Jahre Bandgeschichte mit einem gut kuratierten Set aus alten und neuen Songs. Der Sound war druckvoll, Peavy Wagner präsentierte sich bestens gelaunt und energiegeladen. Neben Klassikern wie "Don’t Fear The Winter" und "Black In Mind" gab es auch selten gespielte Perlen zu hören, was langjährige Fans besonders freute. Die Chemie innerhalb der Band war spürbar, und die Bühne wurde zu einer Zeitmaschine, die vier Dekaden Metalgeschichte abdeckte.

Accept zündeten auf der Faster Stage ein echtes Riff-Feuerwerk. Klassiker wie "Balls To The Wall" mit Gastauftritt von Ripper Owens, "Metal Heart" oder "Fast as a Shark" brachten das Infield zum Kochen. Die Performance war energetisch und tight, Wolf Hoffmann und Neuzugang Joel Hoekstra lieferten sich packende Gitarrenduelle, während Tornillo mit rauem Charisma überzeugte. Trotz ihres Alters zeigte sich die Band in bester Form und bewies, dass deutscher Heavy Metal international konkurrenzfähig bleibt.

Accept

Zwar wird man beim Bühnenwechsel zu Axel Rudi Pell etwas kitschig vom Leonard-Cohen-Cover ´Hallelujah´ empfangen, doch Johnny Gioeli singt das Ding so dermaßen perfekt, dass man den Hut ziehen muss. Die anwesenden Zuschauer nehmen die Einladung an, den Refrain mitzusingen, und brüllen „Hallelujah!“ übers Infield. Auch das anschließende ´Oceans Of Time´ überzeugt auf ganzer Linie, und Ersatzdrummer Andree Schneider, der den verletzten Bobby Rondinelli ersetzt, kann sich gut in Szene setzen. Recht humorvoll wird wiederholt angesprochen, dass er nach der Show sofort gefeuert werde, wenn Bobby wieder fit ist. Top Stimmung bei perfektem Wetter.

Axel Rudi Pell

Derweil sorgte Alligatoah für ein leichtes Chaos – der Ansturm war so groß, dass der Bereich um die Louder Stage gesperrt werden musste. Musikalisch war der Crossover-Metal durchaus kontrovers, aber unterhaltsam. Die Mischung aus ironischer Performance, massig Konfetti, Bademänteln im Publikum und überraschend harten Gitarrenriffs ließ die Zuschauer zwiegespalten zurück. Doch gerade dieser Bruch sorgte für Gesprächsstoff und zeigte, dass auch Experimente in Wacken Platz haben.

Opeth auf der Louder Stage? Eine Sternstunde. Trotz Kofferverlust – Frontmann Åkerfeldt trat in Jeans auf – überzeugte die Band mit technischer Brillanz und Fan-votierter Setlist. Sound und Spiel waren perfekt, das Publikum hingerissen. Songs wie "The Grand Conjuration", "Demon of the Fall" und das epische "Deliverance" wurden mit fast schon beängstigender Präzision dargeboten. Besonders Neuzugang Waltteri Väyrynen am Schlagzeug beeindruckte durch Dynamik und Feingefühl. Dazu kamen die gewohnt trockenen Ansagen Åkerfeldts, die für zahlreiche Lacher sorgten.

Scorpions boten parallel dazu eine starke Performance mit Schwächen. Während Instrumentalfraktion und Setlist überzeugten, schien Klaus Meine gesundheitlich angeschlagen. Die Balladen "Still Loving You" und "Wind of Change" sorgten dennoch für kollektive Gänsehaut, besonders durch Doros Gastauftritt bei "Big City Nights". Insgesamt eine Show mit Licht und Schatten, aber dennoch ein würdiger Beitrag zum Headliner-Reigen.

Scorpions


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