DIE NR. 1: WACKEN OPEN AIR - XXX YEARS IN METAL!
Standesgemäß bereits kurz nach Vorverkaufsstart ausverkauft, geht das Wacken Open Air ins große Jubiläum. Im Vorfeld wurde bereits hitzig über das Billing diskutiert – sind die Bands einem 30. Geburtstag wirklich würdig? Eine Frage, die bleiben wird. Doch ein zweiter Blick ins Billing offeriert einige Besonderheiten. SLAYER spielen ihr letztes Open Air, SABATON kündigen eine gigantische Special Show an und auch in der zweiten und dritten Reihe finden sich Bands wie PROPHETS OF RAGE oder BODY COUNT, letztere spielten gerade Mal eine von zwei Shows auf deutschen Open Air-Bühnen.
Und sonst? Viel Zirkus, der die Besucher auch neben dem Bühnenprogramm unterhalten kann, wenn trotz der vollen Running Order noch Langeweile aufkomme sollte. Fair und nahezu großartig ist der Kaufland. Camper können sich hier zu Ladenpreisen alles besorgen, was sie benötigen, ohne nach dem Festival am Hungertuch zu nagen. Auch um mal eben ein schnelles Bier vor dem Konzertgelände zu zischen, bietet sich der Supermarkt an, solange einen die langen Schlangen nicht abschrecken. Doch im Kern ist das Wacken Open Air trotz seiner Größe auch 30. Jahre nach dem ersten Event eines: Ein Musik-Festival und daher tauchen wir, wie 75.000 andere Festivalbesucher in den Konzert-Betrieb, der lediglich zwei Mal wegen Unwetters unterbrochen werden muss.
Mittwoch 31.07.2019
THE SISTERS OF MERCY
Als Headliner für die W:E:T Stage gehen heute THE SISTERS OF MERCY ins Rennen. Als Institution im Gothic-Genre fest verankert, erfreuen sich die Briten um Bandchef Andrew Eldritch auch auf dem Wacken eines großen Zuspruchs. Bevor es aber losgeht, wird die Bühne – noch durch einen großen Vorhang verdeckt – standesgemäß bis zur Oberkante zugenebelt. Zu den ersten Takten vom ebenfalls traditionellen Opener „More“ fällt der Sichtschutz dann und erster Jubel bricht aus. Die mitunter etwas divenhaft anmutenden Szene-Veteranen haben einen verhältnismäßig guten Tag erwischt. Nichtsdestotrotz scheint ein Teil des Publikums nicht ganz gewusst zu haben, worauf es sich bei den SISTERS eingelassen hat, und sucht nach einigen Songs den Weg zum Ausgang vom Bullhead-City-Circus-Zelt.
Große Ansagen und besondere Showelemente bleiben aus, vielmehr lässt das Klassiker-Set in alten Zeiten schwelgen. Zu jedem Song wird in vielen Bereichen vor der Bühne das Tanzbein geschwungen und abschließend reichlich Applaus gespendet. „Crash & Burn“, „Arms“ und „We Are The Same, Susanne“ bilden da keine Ausnahme, obwohl sie nie offiziell veröffentlicht wurden, allerdings schon seit vielen Jahren live gespielt werden. Anders verhält es sich mit dem weitläufig bekannten Doppelschlag zum Abschluss: „This Corrosion“ und „Temple Of Love“ vollenden zumindest ein kleines Ausrufezeichen hinter einem überraschend positiven und auch verhältnismäßig wenig nebligem Auftritt der SISTERS OF MERCY.
BILDERGALERIE
Donnerstag 01.08.2019
ACRES
ACRES aus Großbritannien eröffnen den ersten offiziellen Festivaltag auf der W:E:T Stage und werden von einer Polonaise, die durchs Bullhead-City-Circus-Zelt zieht, begrüßt. Zur Erklärung: Auf der benachbarten Headbangers Stage haben zuvor BLAAS OF GLORY aufgespielt, die es sich nicht nehmen ließen, zusammen mit dem Publikum und sämtlichen Instrumenten durchs Zelt zu ziehen – kurios. Als dieser Spuk dann vorbei ist, können ACRES endlich loslegen und machen dies durchaus ambitioniert. Insbesondere Sänger Ben Lumber kommt stimmlich erstaunlich gut zurecht, muss er doch sowohl Growls als auch den Klargesang zu den Post-Hardcore-Songs beisteuern. Neben dem einen oder anderen Breakdown, fokussiert sich das Quartett verstärkt auch auf gefühlvoll melodische Passagen (z.B. „Lonely World“). Die Mischung scheint zu wirken und die Anwesenden vor der Bühne reiben sich zunehmend den Schlaf aus den Augen.
KROKUS
KROKUS sind unter Hard Rock Fans eine Legende, deren Anfänge bis weit zurück in die 70er Jahre reichen. Bei einer Bandgeschichte wie dieser bleibt eine stetige Fluktuation innerhalb der Gruppe nicht aus. Dennoch darf das Wacken Open Air an diesem sonnigen Nachmittag ein letztes Gründungsmitglied bestaunen. Die Jungs um Chris von Rohr mögen optisch in die Jahre gekommen sein, aber abliefern können sie dennoch mit kratzigem Stimmvolumen und gelungenen Riffs. Aufs Parkett bringen sie damit klassischen Hard Rock, der gut in die Knie geht. Ihre Evergreens wie “Hellraiser“ und Cover Versionen wie “American Woman“ (The Guess Who) erreichen trotz brütender Hitze auch die letzten Reihen und werden vor allem von den älteren Generationen mit positiver Resonanz belohnt.
TESTAMENT
Zu einem Meer aus gehörnten Händen betreten TESTAMENT neben satanischen Bannern und glühender Hitze die Louder Stage. Speziell bei dieser Bühne kommt es oftmals auf die richtigen Windverhältnisse an, damit auch der gesamte Sound im Gehör ankommt. Bei besten Voraussetzungen glänzen die Kalifornier mit 80er Jahre Thrash, der begeistert angenommen wird. Zumindest im vorderen Feld. Denn sie beweisen Groove, Geschwindigkeit und reißen ihre Fans vor allem mit ihrem Animationsprogramm und Gangshouts mit. In den hinteren Reihen trotzt man der sengenden Sonne und verliert sich mit der Zeit mehr und mehr in einem Trott. Lediglich die Ansagen zwischen den Songs sorgen für so manchen Wach-Moment. Gegen Ende der Show bringen TESTAMENT den Platz allerdings noch einmal richtig zum Kochen: Zu “Over the Wall“ fliegen im Pit rasant die Fetzen, bevor sich der Platz allmählich leert und einige zu BODY COUNT abwandern.
NECROPHOBIC
NECROPHOBIC sind in diesem Sommer auf vielen Festivals anzutreffen und werden von entsprechend zahlreich gereckten Hörnern empfangen, erwischen heute aber leider nicht ihren besten Tag. Am Einsatz des Quintetts, welches mit Aushilfsbassisten angereist ist, liegt es keinesfalls, es wird mal wieder gepost und angefeuert, was das Zeug hält. Allen voran Sänger Anders Strokirk zieht eine fiese Grimasse nach der anderen und hält mal um mal unsichtbare Orangen in seiner Hand. Auch die Gitarristen Johan Bergebäck und Sebastian Ramstedt stehen ihrem Frontmann in Nichts nach und legen sich mit ihren Gitarren mächtig ins Zeug. All dies wirkt, bedingt durch einen nicht wirklich klaren Sound und eventuell auch die große Distanz zwischen Publikum und Bühne, aber ein wenig zu viel des Guten, sodass die Sprengkraft von Brechern wie „The Third Of Arrivals“, „The Crossing“, „Celebration Of The Goat“ und „Revelation 666“ ein wenig verpufft. Auch „Tsar Bomba“ und der Titeltrack vom aktuellen Album „Mark Of The Necrogram“ besitzen durchaus mehr Feuer, als heute vor der Bühne entfacht werden kann. „The Nocturnal Silence“ darf zum Abschluss aber natürlich trotzdem nicht fehlen und liefert ein Mindestmaß an Versöhnung.
HAMMERFALL
Vor der Harder Stage drängen sich die Menschen dicht an dicht auch bis vor die Abgrenzungen der Nachbarbühne. Die Power-Metal-Legende aus Schweden lässt ihre Fans vor geschlossenem Vorhang ganze fünf Minuten warten, ehe sie den Blick auf ihr Bühnenbild freigeben. Währenddessen nutzen sie die Gunst der Stunde, um ihre neue Single “Dominion“ aus dem gleichnamigen Album zu bewerben, das am 16. August via Napalm Records erscheint. Unter dem offiziellen Musikvideo sind außerdem die kommenden Tour Daten ersichtlich, sodass sich Deutschlands Powermetaller schon jetzt ihr Kreuzchen im Kalender machen können. Der Vorhang fällt und der gut gelaunte Joacim Cans findet sich vor einem Meer aus in die Luft gereckten Fäusten wieder.
Schon beim Einstieg mit “Legion“ beweist das Publikum Textsicherheit und schunkelt die Hymne direkt mit. Die ausgelassene Stimmung zieht sich fortan durch das gesamte Konzert. Die Publikumsnähe und die anhaltende Interaktion mit den Fans tun ihr Übriges. Wo sich vereinzelt im Crowdsurfing geübt wird, werden vor allem die Stimmbänder durch ekstatische Gesangseinlagen seitens der Fans gut strapaziert. Als “True German Heavy Metal from Sweden“ wird der Titel “Riders of the Storm“ angekündigt und trifft in der Menge direkt auf offene Ohren und Arme. Ob man nun Teil der Fankurve beim Fußball oder Metal Fan in der Crowd auf dem Wacken ist, macht bei diesem Auftritt keinen Unterschied. Der Lärmpegel verliert sich auch in den Pausen nicht. Neben zackigen Songs, bieten die Schweden auch langsamere Balladen und ein bisschen Pyrotechnik darf bei so viel Power Metal natürlich auch nicht fehlen. HAMMERFALL machen ihrer 22-jährigen Bandgeschichte an diesem Nachmittag alle Ehre.
AIRBOURNE
Bei AIRBOURNE gibt es leidenschaftlichen Rock, der dank seiner Riffs sofort in alle Gliedmaßen schnellt. So schon früh zu merken beim passend betitelten „Boneshaker“. Auch „Heartbraker“ oder „Bottom Of The Well“ entfachen Headbang-Zwang. Und wer wie AIRBOURNE sein reguläres Set dann mit einem Klischee-Doppelschlag a la „It’s All For Rock ’n‘ Roll“ und „Stand Up For Rock ’n‘ Roll“ beendet, macht sich heute ohnehin viele Freunde. Obendrein gibt es eine wehmütige Runde Jacky/Cola auf Lemmy – Prost! Da die Menge vor der Faster-Stage immer noch nicht genug hat, legt der Trupp noch flink „Live It Up“, „Raise The Flag“ und „Runnin‘ Wild“ nach, um schlussendlich fast klischeefrei im Applaus zu baden.
GRAVE
Die Headbangers Stage ist an diesem Abend fest in schwedischer Hand. Als Nächstes sind GRAVE an der Reihe und kredenzen eine ordentliche Portion Old School Death Metal. Wenn man Ola Lindgren jedoch Glauben schenkt, sollte dies eventuell nochmal überdacht werden, als der eigentlich sehr zurückhaltende Frontmann anmerkt „We are GRAVE and we play Rock’n’Roll“ – allerdings schmunzelnd „not really“ hinterher schiebt. Dass wir es hier nicht mit Comedy, sondern einem Urgestein der Death-Metal-Geschichte zu tun haben, wird spätestens bei der Setlist klar, die zahlreiche Klassiker („You’ll Never See“) beinhaltet, aber auch aktuelle Songs („Out Of Respect For The Dead“) nahtlos integriert. Das Publikum dankt mit vielen kleineren Pits, die sich durch das gesamte Zelt verteilen. Ola weist noch kurz auf das 25-jährige Jubiläum von „Soulless“ hin und lässt passenderweise eben jenen Song von der Kette, ehe das obligatorische „Into The Grave“ und „Morbid Ascent“ dem Auftritt die letzten Sargnägel verpassen.
SABATON
Mit 15 Minuten Verspätung kommt die Power-Metal-Armee auf die Bühne – fast die Hälfte des Gigs spielen SABATON nur auf der linken Haupt-Stage. Natürlich ist es knüppeldickevoll, trotzdem ein Tipp: Es lohnt in der Regel, sich bis nach vorne durchzukämpfen, denn meistens ist da noch genug Platz. Vermutlich, weil die meisten spätestens in der Mitte des Infields aufgeben.
Vor dem Schlagzeug steht ein halber Panzer, es gibt Sandsäcke und andere militärische Utensilien. Richtig beeindruckend ist das aber nicht. Pyros und eine Explosion vermitteln auch den eingenickten Besuchern, dass es losgeht. Dazu fackelt das Wacken-Symbol zwischen den Hauptbühnen fröhlich vor sich hin. „Ghost Division“ eröffnet das Set, und es dauert drei Lieder, bis „Fields Of Verdun“ den „Great War“ einläutet – die Nummer spielen sie mit dem ehemaligen Gitarristen Thobbe Englund, der den Song mitgeschrieben hat. Soundtechnisch ist alles paletti, wobei es stark davon abhängt, wo man sich befindet.
Joakim Brodén trinkt wie immer ein Bier auf ex und die Menge feiert. Als er fragt, ob sie lieber altes oder neues Zeug hören wollen, ist die Resonanz eher mau. Die Mucke von SABATON kommt bei den Fans so gut an, dass es völlig egal ist, was sie spielen. Wenn man den Blick schweifen lässt, bestätigt sich das auch: Abertausende zufriedene Gesichter, eine riesige Party, klatschende Hände, fliegende Haare, hochgezogene Mundwinkel en masse – klar, alles Geschmackssache, aber die schwedische Band trifft den Geschmack einer ganz breiten Masse und macht damit vieles richtig.
DARK FUNERAL
NORDJEVEL sorgen neben DARK FUNERAL für das satanische Sahnehäubchen auf dem diesjährigen Wacken. Witzig, dass die „bösen Schweden“ parallel zu den bellizistischen Schweden SABATON spielen – schicker Kontrast. Trotz der großen Konkurrenz schauen die Black-Metaller auf etliche vorfreudige Gesichter, von denen die meisten im Verlauf des Gigs auf „rundum begeistert“ wechseln. Der Sound ist insgesamt gut, vermutlich aber am besten, wenn man mittig und nicht ganz hinten steht.
Die Anwesenden feiern DARK FUNERAL teils wie einen Headliner. Für die Laune spielt es keine Rolle, ob es ballert (auch wenn das die Regel ist) oder Songs im mittleren Tempo gespielt werden – wie „Temple Of Ahriman“ vom sehr gelungenen 2016er-Werk „Where Shadows Forever Reign“.
Im Vorfeld hat die Band über die sozialen Medien mehrfach die opulenteste Pyro-Show in der Geschichte von DARK FUNERAL angekündigt. Okay, es gibt Feuersäulen, aber das zählt doch eher zum Standard. Mindestens so enttäuscht wie einige Besucher ist die Truppe selbst, die sich später entschuldigt: „Sorry Leute, wir wurden heute von der Pyrotechnik total verarscht. Das war weit von dem entfernt, was wir geplant hatten. Trotzdem hatten wir eine tolle Zeit mit Euch, danke!“
HELLHAMMER (Tom G. Warrior mit TRIUMPH OF DEATH)
Tom G. Warrior spielt HELLHAMMER-Songs unter dem Banner TRIUMPH OF DEATH – der Name eines der 1983 erschienenen Demos. SATANIC RITES wäre noch knackiger gewesen, aber auch so macht die Zeitreise richtig viel Spaß. Niemand im gut gefüllten Rund stört sich an simplen Song-Strukturen, fehlender Finesse und Technik. Auf die Dauer nutzt sich das Material zwar ab, für einen kurzweilig Ausflug ist der Gig aber ideal.
BILDERGALERIE
Freitag, 02.08.2019
EQUILIBRIUM
EQUILIBRIUM nehmen sonst eher Slots im Frühabendprogramm oder gar als Headliner ein. Heute sollen sie das Wacken Open Air wecken. Eine Herausforderung, welche die Band um den charmanten Frontmann Robse trotzdem gerne annimmt. Der Start glückt dank „Born To Be Epic“ umgehend. Dass EQUILIBRIUM in Kürze ein neues Album namens „Renegades“ veröffentlichen werden, soll heute nicht vergessen werden und so freut sich die treue Fanschar über „Renegades – A Lost Civilisation“. Das Frühstücksprogramm endet schlussendlich souverän in „Apokalypse“, das einen gewohnt guten Auftritt zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit beendet.
ELUVEITIE
Zur Mittagszeit steht mit ELUVEITIE direkt das nächste Schwergewicht bereit, um einen Sturm über dem Infield hereinbrechen zu lassen (was auch gelingt, doch dazu später mehr). Nachdem es in den letzten Jahren den einen oder anderen Besetzungswechsel gegeben hat, scheinen die Folk Metaller mittlerweile wieder gefestigt und sind mit neuem Album „Ategnatos“ im Rennen. Chrigel Glanzmann und seine Mannen bzw. Frauen brauchen keine große Aufwärmphase und starten nach stimmungsvollem Intro direkt mit dem namensgebenden Song der neuen Platte.
Die Fans vor der Bühne scheinen damit bereits bestens vertraut und geben ab der ersten Minute volle Power. Spätestens beim nachfolgenden „King“ ist die Betriebstemperatur vollständig erreicht und der Pit tobt, sodass eine kleine Verschnaufpause in Form von „The Call Of The Mountains“, bei dem Fabienne Erni einmal mehr ihre gesanglichen Qualitäten unter Beweis stellt, gerade recht kommt. Anschließend folgen noch fünf weitere neue Stücke, was in Anbetracht der insgesamt zehn gespielten Songs ein wenig viel erscheint. Das abrupte Ende tritt nach „Rebirth“ ein, da sich ein Sturm ankündigt und das Gelände aufgrund einer Unwetterwarnung geräumt werden muss. So kommt es, dass ELUVEITIE zum ersten Mal in ihrem Dasein als Band die Bühne ohne die Pflichtnummer „Inis Mona“ verlassen müssen.
Festivalunterbrechung und Bandabsagen
Dem zumindest angekündigten Unwetter zum Opfer, fallen vorerst auch THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT, DIARY OF DREAMS sowie TRIBULATION. Während der Auftritt von DIARY OF DREAMS tatsächlich relativ schnell ersatzlos gestrichen wird, verschiebt sich das Set des ungarischen Folk-Duos THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT erst mitten in die Nacht und wird anschließend wieder vorgezogen. TRIBULATION hingegen wird erst ein Ersatz-Slot um kurz vor Mitternacht zugewiesen, dieser anschließend aber wieder aus produktionstechnischen Gründen gestrichen, sodass auch dieser Auftritt komplett gecancelt wird. Leider erfolgt die Ankündigung solcher Änderungen in der Running Order ausschließlich über die Festival-App, die aufgrund der starken Auslastung nicht immer erreichbar ist. Als Folge finden sich einige Fans vor der Bühne für den ursprünglich verschobenen TRIBULATION-Gig ein, bekommen die Band aber leider nicht zu sehen und andere verpassen bedauerlicherweise den zweifach verschobenen Auftritt von THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT. Die aktualisierte Running Order auf einer oder zwei der vielen LED-Tafeln wäre sicherlich hilfreich gewesen …
BODY COUNT
Die Band beginnt standesgemäß mit „Ace Of Spades“. Dass die Show mit einer 45-minütigen Verzögerung startet, liegt übrigens an der kurzzeitigen Unterbrechung des gesamten Festivalbetriebs aufgrund einer Unwetterwarnung. Mit „Bowels Of The Devil“ geht’s weiter, anschließend wendet sich der Bandkopf mit einer seiner legendären Ansagen ans Publikum: Er stellt die Band der Reihe nach vor, dann sich selbst mit der Ankündigung, dass sein Name nicht mehr Ice-T, sondern „Ice Motherfucking T Bitch“ lautet.
„Manslaughter“ ist der dritte von rund 18 Songs, die von Laura M. Schwengber wie gewohnt beeindruckend in Gebärdensprache übersetzt werden. Mindestens ebenso löblich sind die wiederkehrenden und immer wieder wichtigen Worte gegen Rassismus. Anschließend reisen wir mit dem Klassiker „Body Count“ musikalisch ins Jahr 1992.
„Woop, that’s the sound of the police. Woop, that’s the sound on the streets“. Danach spielen BODY COUNT „There Goes The Neighborhood“, und der Chef geht in den Hintergrund, um der Instrumentalfraktion inkl. Drum-Solo Raum zu geben. Nach einer weiteren Anti-Rassismus-Ansprache, die er mit einer Publikumsanimation verbindet, werden Bands genannt, die sie mögen: THE EXPLOITED und SLAYER. Das „Disorder“-Cover zocken sie komplett und „Postmortem“ wird angespielt. Wenig treffsicher ist der Joke im Anschluss, als Ice-MF-T fragt, wer der jüngste Fan im Publikum ist. Das ausgewählte "Mädchen" entpuppt sich als Junge mit etwas längeren Haaren. Kommentar: „I fucked up.“
Ans Ende gepackt: „Cop Killer“. Jubelschreie ertönen und in den Mini-Pits wirbelt Staub auf. Die Zugaben leitet die Band sehr humoristisch ein und bezeichnet sie als „virtuelle“, denn „Ice Motherfucking T“ ist schlichtweg zu faul, um von der Bühne zu gehen und wiederzukommen. Stattdessen verabschieden sie sich, drehen sich gesammelt um, warten auf die „Body Count“-Rufe und spielen dann weiter: erst das SUICIDAL-TENDENCIES-Cover „Institutionalized“ und schließlich „This Is Why We Ride“ vom aktuellen Album „Bloodlust“, das in ein emotionales Finale mündet.
VENOM INC.
Als VENOM INC. die Bühne im Bullhead City Circus betreten, blicken sie zunächst in die Kameralinsen unzähliger Mobiltelefone. 2015 gegründet, hat Schlagzeuger Anthony Bray mit der Zeit das Feld geräumt und damit bleibt Jeffrey “Mantas“ Dunn an der Gitarre das einzige Urtier, das noch aus vergangen Tagen der umstrittenen Heavy Metal Legende VENOM übrig ist. Während der ersten Titel kratzt der Sound hier und da noch, wird im Verlauf der Show aber deutlich besser. Beeindruckende Gitarrensoli und fetzige Riffs sorgen neben einem mitreißenden Unterhaltungsprogramm für Stimmung in dem spärlich gefüllten Zelt. Bis die Menge allerdings komplett auftaut, dauert es ein paar Songs, die zunächst mehr nach Einheitsbrei klingen. VENOM INC. geben damit ein durchwachsenes Konzert, das am Ende nur wenige ins Schwitzen bringt.
ANTHRAX
“Caught in a Mosh“ ist das Motto, das ANTHRAX mit ihrer gewaltigen Thrash- und Heavy Metal Mischung gleich zu Anfang darbieten. Die New Yorker Urgesteine machen vor einem wolkenverhangenen Himmel ordentlich Stimmung und haben den Platz vor der Bühne im Handumdrehen für sich gewonnen. Frontmann Scott Ian bewirbt mit seiner Kleiderwahl nicht nur seine eigene Truppe, sondern glänzt auch mit einer feschen 80er Jahre Frisur, die das Gesamtbild abrundet. Eine gute Figur macht außerdem die Gebärdendolmetscherin auf der Bühne, die mit ihrer Musikübersetzung auch die Gehörlosen Rocker erreicht. Die geballte Ladung 80er gibt es nicht nur optisch, sondern vor allem musikalisch; “Madhouse“ vom Album ‘Spreading the Disease‘ katapultiert alle Beteiligten mit jedem Ton ein Stück weiter zurück ins das Jahr 1985. Das kommt vor allem in den ersten Reihen gut an.
ANTHRAX hinterlassen im Hinblick auf ihre Animationskünste einen bleibenden Eindruck und ziehen gut mit. Besonders der Titel “Indians Wardance“ setzt sich nachhaltig im Gedächtnis fest; nach den ersten Klängen tobt vor der Bühne bereits eine feucht fröhliche Party, die Scott allerdings nicht energisch genug scheint. Es folgt nach dem abrupten Musikstopp eine Ansage in Richtung Publikum und fortan lässt Wacken die Hunde los und kann sie bis zum Schluss nicht mehr bändigen.
WITHIN TEMPTATION
So langsam aber sicher nimmt das Abend- bzw. Nachtprogramm Fahrt auf: Den passenden Sound für den langsam einsetzenden Sonnenuntergang liefern WITHIN TEMPTATION, die seit Jahrzehnten fette Ausrufezeichen im Symphonic Metal setzen. Stillstand war noch nie etwas für die sympathische Formation um Sängerin Sharon den Adel. Anstatt auf gängige Klischees zu setzen, präsentiert die Band auch heute einen futuristischen Bühnenaufbau mit fetten LED-Leinwänden, der sich stilistisch an das neue Werk „Resist“ anlehnt. Auch der Opener „Raise Your Banner“ stammt vom aktuellen Album, wozu die durchaus redefreudige Frontfrau entsprechend ein Bandbanner kreisen lässt. Ehemann, Gitarrist und Songwriter Robert Westerholt ist wie seit vielen Jahren üblich auch heute nicht mit dabei auf der Bühne, damit er sich u.a. um die gemeinsamen Kinder kümmern kann – seine Band liefert aber auch ohne ihn mehr als amtlich ab. Das Beste dabei: Die Truppe hat scheinbar auch Bock ohne Ende, was sich sowohl in den Ansagen als auch am euphorischen Stageacting aller Musiker erkennen lässt. Hinzu kommt eine abwechslungsreiche Songauswahl, die von weiteren neuen Stücken („The Reckoning“, „Mad World“) über unverzichtbare Evergreens (u.a. „Stand My Ground“, „Faster“) bis hin zu einer akustischen Version von „Ice Queen“ reicht. Auch die etwas älteren Songs werden mit zeitgemäßem Sound in die Moderne transportiert und fügen sich reibungslos ein. Luft nach oben lässt das Sextett nicht viel: Hier und dort erhält Sharon, die gegen Ende des Sets „Supernova“ noch ihrem verstorbenen Vater widmet, ein wenig viel technische Unterstützung beim Gesang.
DEMONS & WIZARDS
Zeit für einen der vielen wirklich besonderen Auftritte auf dem Wacken Open Air. Die Bühne in ein passendes Design gehüllt, unter anderem steht ein kleiner Chor auf einem mit eleganten Zäunen umrahmten Podest, beginnen DEMONS & WIZARDS. Ein Auftritt, der vor allem Power Metal-Liebhabern Freudentränen in die Augen treiben dürfte. Schließlich sieht man die Band um Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) und Jon Schaffer (ICED EARTH) höchst selten auf der Bühne. Die Band legt zunächst viel Wert auf eigenes Material, sodass der Beginn mit unter anderem „Rites Of Passage“ und „Crimson King“ bei bestem Sound für erstes Mitsingen und wohlige Schauer zwischen fliegenden Haaren sorgt.
Das Versprechen von Kürsch, dass heute eine besondere Show mit einer fantastischen Setlist und viel Feuer geboten wird, halten DEMONS & WIZARDS. Immer wieder steigen Feuersäulen empor und Kürsch ist bestens bei Stimme und Laune. Neben eigenem Material hat die „Supergroup“ auch noch Besonderheiten aus den Hauptbands der beiden Musiker in Petto. „Burning Times“ und „I Died For You“ von ICED EARTH sowie „Welcome To Dying“ und das lautstark mitgesungene „Valhalla“ von BLIND GUARDIAN finden ebenfalls Platz im Set. Als die letzten Töne von „Fiddler Of The Green“ verklingen, ist jedem Anwesenden klar, dass er heute einen denkwürdigen Auftritt erlebt hat. Hoffentlich wiederholt sich das Spektakel zeitnah.
SLAYER
Das brennende Wacken-Symbol heizt die Stimmung der Wartenden an, die gebannt auf den schwarzen Vorhang starren. Als das „Delusions Of Saviour“-Intro ertönt, entlädt sich die Spannung in aufgeregtes Wippen, Prosten und Anfeuern. Auf dem Vorhang erscheinen Kreuze aus Licht, die sich langsam Richtung Blasphemie drehen. Danach wandern Logos und der Schriftzug von SLAYER über den dunklen Stoff.
Die Setlist besteht aus satten 20 Songs und startet mit dem Titeltrack des letzten Albums „Repentless“. Einige Begeisterte beginnen sofort mit dem Surfen über die Menge, während sich Tom und Co. ohne Umwege die Finger wund spielen. Vom Ende zum Anfang: Als zweite Nummer hauen SLAYER „Evil Has No Boundaries“ vom 1983er-Debüt „Show No Mercy“ raus. Dazu ist der Sound so richtig gut und die Band liefert konstant ab. Wie schon bei den Clubshows dauert es rund 20 Minuten, bis Tom im Scheinwerferlicht die erste Ansage macht. Mal eben den Backdrop austauschen und weiter geht’s mit „War Ensemble“.
Tatsächlich legt der Sound noch eine Schippe drauf und untermalt den Abriss in SLAYER-Manier bestens – das alles ist heute wirklich eines Headliners würdig. Unglücklich: Es ist mächtig voll, der offizielle Einlassstopp, der einigen den Zutritt verwehrt, erscheint jedoch sinnfrei. Zurück zum Geschehen auf der Bühne: Da werden umgedrehte Kreuze durch Pyros simuliert und die generell massive Feuer-Show setzt gefühlt die halbe Bühne in Brand. SLAYER rocken die Harder-Stage eindrucksvoll, legen den Fokus dermaßen auf Mucke (allein das Finale aus „Seasons In The Abyss“, „Hell Awaits“, „South of Heaven“, „Raining Blood“, „Black Magic“, „Dead Skin Mask“ und „Angel Of Death“) und zelebrieren ihren Abschied. Danke Jungs!
BILDERGALERIE
Samstag, 03.08.2019
SUBWAY TO SALLY
Mit SUBWAY TO SALLY startet der letzte Tag auf der Harder Stage erneut überaus ambitioniert, weist die Band doch mittlerweile eine fast dreißigjährige Bandgeschichte vor. Dementsprechend ist das Infield bereits bei feinster Mittagssonne prall gefüllt. Trotz einiger neuer Stücke vom aktuellen Album „Hey!“ zeigen sich viele Fans äußerst textsicher und noch gut bei Stimme. Sänger Eric Fish dirigiert die Menge gekonnt durch den Auftritt der Potsdamer und bittet zum Ende des Sets darum, dass „der letzte zum Schluss die Lichter ausmacht“. Kenner der Band brechen direkt in Jubel aus, da sie wissen, dass mit „Ausgeträumt“ nun ein weiterer Song folgen wird, andere weniger mit dem Backkatalog der Band vertraute Anwesende schauen sich anfangs verwirrt an. Anschließend stellt die Band nach der gemeinsamen Verbeugung fest, dass noch vier Minuten Spielzeit verbleiben. Ausreichend Zeit also, um traditionell einen möglichst lauten Schrei vom Publikum einzufordern und mit „Grausame Schwester“ eine Zugabe nachzulegen, welche das Infield zu einem Meer aus Händen verwandelt.
BATTLE BEAST
BATTLE BEAST sind nicht die Band der Stunde, aber definitiv in vieler Munde. Fast schon komisch, dass die Finnen so früh eingeplant wurden. Vor und neben der Bühne stehen, sitzen und liegen etliche Menschen. Nach „Unbroken“, dem Opener des aktuellen Albums „No More Hollywood Endings“, schmettert Sängerin Noora Louhimo einen der klebrigsten Ohrwürmer ins Rund („Familiar Hell“). Das Teil ist einfach perfekt zum Mitsingen, verdeutlicht aber auch, dass es bei BATTLE BEAST selten um die Instrumente geht – in dem Bereich liefern die Symphonic-Metaller Standard. Was Louhimo aus ihren Stimmbändern holt, ist hingegen beeindruckend. Wer sich darauf einlässt, dass der Fokus auf Gesang und Hooklines liegt, kann durchaus Spaß haben. Sogar mit Liedern wie „Endless Summer“, die eine noch stärkere Schlager-Ausrichtung als SABATON haben.
Es entsteht eine große Party, und die Band ist agil und sichtbar dankbar für die positiven Reaktionen. Zum Auftakt von „Bastard Son Of Odin“ zocken sie AMON AMARTH an, bevor die elektronischen Klänge des eigenen Songs einsetzen. Den größten Fauxpas leistet sich Bassist Eero Sipilä, der die Vermutung aufstellt, dass Beck’s das beste Bier sei. Äh - nein!
KVELERTAK
Einen weiteren Energie-Boost liefern KVELERTAK auf der Louder Stage. Wer die Jungs aus Norwegen und deren energiegeladenen Punk Rock mit zahlreichen Metal-Einflüssen kennt, weiß, dass bei ihnen definitiv Ausnahmezustand angesagt ist.
Eine ein paar Meter durch die Luft fliegende Gitarre stellt hier keine Seltenheit dar. Sänger Ivar Nikolaisen ist erst letztes Jahr neu zur Band gestoßen, brauch passenderweise aber auch keine Aufwärmphase. Bereits nach den ersten beiden Songs „Åpenbaring“ und „Bruane Brenn“ hält ihn nichts mehr auf der Bühne und es folgt das erste Bad in der Menge. Auch das Mikro fliegt mehr als einmal durch die Gegend, ehe es als Lasso herhält und nur knapp über den Köpfen der ersten Reihen kreist. Unbedingt hervorzuheben ist, dass KVELERTAK nicht nur showtechnisch überzeugen, sondern auch musikalisch derbe abliefern. Dass aber beides gleichzeitig funktioniert, beweist die Saitenfraktion, die ebenfalls mehrfach crowdsurfen ist und dabei sogar teilweise Soli abliefert.
THE VINTAGE CARAVAN
In wie vielen Genres Island inzwischen bärenstarke Bands offeriert, ist faszinierend. Eine davon sind zweifellos THE VINTAGE CARAVAN. Die Retro-Rocker haben eine ganz eigene Atmosphäre und verströmen live vor allem eines: gute Laune. Diese Eigenschaft zeigt das Trio auch heute auf der W:E:T-Stage. Voll motiviert und mit kurzen Ansagen garniert liefern die Isländer ihre Mischung aus Classic Rock, einigen Metal-Einflüssen und einer gehörigen Spur Psychedlic. Großes Posen ist ebenso wenig ihr Ding wie eine arrogante Haltung. Stattdessen steht ihnen die Freude über den großen Andrang an diesem Vormittag ins Gesicht geschrieben. Lächelnd einen Song wie „On The Run“ zu performen, mag bei einigen Bands vielleicht nicht funktionieren, aber hier und heute wirkt es einfach sympathisch, ehrlich und bodenständig. THE VINTAGE CARAVAN machen sich heute wohl nur Freunde.
URIAH HEEP
Groovy geht es bei der dreiviertelstündigen Show von URIAH HEEP zu. Die älteren Herrschaften sind gut drauf und schicken alle Beteiligten im Handumdrehen zurück in die 70er Jahre. Um den Zeitunterschied von immerhin fast 50 Jahren nicht zu extrem zu gestalten, gibt es zum Einstieg zunächst “Grazed by Heaven“ von ihrem jüngsten Album ‘Living the Dream‘ aus 2018. Passend dazu prangt ein Banner mit blauem Mond über der Bühne. Etwas später folgen einzigartige Klassiker wie “Gypsy“ und “Lady in Black“. Der gesamte Platz vor der Louder Stage scheint so überfüllt, dass sich in den hinteren Reihen auf Zehenspitzen gestellt und auf fremde Füße getreten wird. Und das nicht ohne Grund; wie von selbst gleiten die knotigen Hände über Hammondorgel und Gitarre und lassen alle Versammelten zu feinstem Psychedelic Rock dahinschmelzen. Einige Zuhörer nutzen die mitunter sehr langen Instrumentalstrecken, um in Erinnerungen zu schwelgen. Den ein oder anderen spielen URIAH HEEP damit sicherlich in einen angenehmen Trancezustand und versprühen nicht zuletzt mit einem Lächeln in ihren Gesichtern Sympathie und Flower Power.
POWERWOLF
Mit manchen Bands kann man aus Veranstaltersicht nichts falsch machen. POWERWOLF gehören dazu.
Nach dem „Lupus Daemonis“-Intro spielt die Band „Fire And Forgive“ und passend dazu erigieren etliche Feuersäulen. Atilla hantiert mit einem Flammenwerfer und haut im Anschluss die ersten Worte in seiner gefühlt eigenen Sprache raus: „Herzlichen Glückwunsch für den Wacken“. Später lässt er das Publikum „Amen And Attack“ anstimmen – die heilige Heavy-Metal-Messe läuft auf Hochtouren.
„Wir brauchen das Licht eurer Telefone“, sagt Attila. Das Leuchten sieht ganz schick aus, auch wenn es für solche Spielereien noch zu hell ist. Keyboarder Falk Maria Schlegel nimmt seinen Zweit-Job als Anheizer wieder sehr ernst und ist viel in Bewegung. Auch die anderen Bandmitglieder wechseln häufig ihre Positionen, posieren auf Podesten und am Bühnenrand. Mit „Stossgebet“ und „Where The Wild Wolves Have Gone“ hauen POWERWOLF ein Doppel vom letzten Studioalbum „The Sacrament Of Sin“ raus, bevor das Finale aus Setlist-Hauptvertretern beginnt. Bei „Resurrection By Erection“ steigt das Engagement auf der Party-Messlatte feuchtfröhlich weiter und „Werewolves Of Armenia“ und „We Drink Your Blood“ beschließen den Auftritt der feierwütigen Wölfe.
CREMATORY
CREMATORY gehen gut und gerne als Dauergast auf dem Wacken durch: Ganze sechs Mal haben die Gothic Metaller schon in der Vergangenheit im hohen Norden aufgespielt. Die letzten beiden Shows aus den Jahren 2008 und 2014 wurden gar als DVD veröffentlicht. So verwundert es nicht, dass der Hattrick vollendet und auch der diesjährige Gig professionell für die Nachwelt festgehalten wird. Die Rahmenbedingungen hierfür stimmen schon mal: Allein die History Stage offenbart einen Hauch von Nostalgie, der zur altgedienten Band passt. Zudem ist das Zelt, in dem die Bühne steht, wenige Minuten nach Einlass pickepackevoll, sodass ein Einlassstopp ausgesprochen wird. Begrüßt von CREMATORY-Sprechchören muss das Publikum den Opener „Kommt Näher“ somit auch mitnichten wortwörtlich nehmen.
Süffisante Kommentare von Sänger Felix über vergangene Tage und die bespielten Bühnen („In 15 Jahren kommen wir wieder und spielen dann bestimmt im Geräteschuppen“) sowie die allgemeine Bandsituation („Kommt schon, so scheiße sind wir doch gar nicht, oder?!“) bleiben natürlich auch nicht aus und gestalten die Spielzeit von etwas mehr als einer Stunde durchaus kurzweilig. Anteil daran hat ebenfalls die Setlist aus neuem Material („Revenge Is Mine“, „Ghosts Of The Past“, „Wrong Side“), Stücken von der Jahrtausendwende (das frenetisch gefeierte „The Fallen“), deutschsprachigen Songs („Tick Tack“, „Höllenbrand“), beatlastigen Nummern („Shadowmaker“), zwei Cover-Versionen (u.a. „Black Celebration“) und der unumstößlichen Zugabe „Tears Of Time“.
SAXON
SAXON und das Wacken Open Air: W:O:A-Chef Thomas Jensen war viele Jahre lang Manager der Band, die zahlreiche Auftritt beim Wacken hingelegt hat. Auch SAXON haben einen guten Grund, sich und ihre Geschichte zu feiern, denn der 40. Band-Geburtstag steht an. Logisch, dass die Briten bei der Jubiläumsausgabe 2019 nicht fehlen dürfen. Sänger Biff Byford hat übrigens seinen Sohn mitgebracht, der mit seiner Band NAKED SIX auf der History-Stage auftritt.
Vor dem Start wird es nostalgisch: in Form alter Bilder, Zeitungsausschnitte und Flyer, die auf den Leinwänden gezeigt werden. Als der Vorhang fällt, geht’s sofort los und die NWOBHM-Pioniere (natürlich bis auf den Drummer) stehen eng in einer Reihe am Bühnenrand. Über ihnen hängt wie so oft der bewegliche Bühnenadler und dazu dröhnt „Motorcycle Man“ vom 1980er-Album „Wheels Of Steel“ aus den Boxen. Statt eines Backdrops werden Bewegtbilder projiziert, und SAXON hüpfen in der Diskografie munter hin und her: mit „Battering Ram“ nach 2015, zurück zu „Wheels Of Steel“, dann bleiben sie mit „Strong Arm Of The Law“ im Jahr 1980, um wenig später zu „Thunderbolt“ (2018) zu reisen … es fällt auf, dass die Truppe viele Titeltracks spielt und Song-Highlights wie „Backs To The Wall“ vom ersten Demo (1978) präsentiert.
Fronter Biff bewegt sich und hüpft, als wäre die Band erst gestern gegründet worden. Wirft man einen Blick ins gut gefüllte Rund, sieht man eher ältere Semester, was die Besonderheit des Auftritts nur untermalt: Wer dabei ist, erlebt ein großes Stück Heavy-Metal-Geschichte. Die Oldschool-Vibes werden vor allem dann sehr präsent, wenn die Gitarren in Form von ausgefeilten, langen Soli abgehen dürfen. Dass auch jüngere Besucher SAXON sehen und feiern wollen, beweist ein wunderbares Bild: Ein älterer Mann sitzt breit grinsend auf den Schultern eines Kumpels, während neben ihm jungsche Crowdsurfer vorbeisegeln. Insgesamt werden 16 Songs im regulären Set, darunter etliche Lieder aus den Anfangsjahren, und drei weitere in der Zugabe gespielt, die mit „Princess Of The Night“ endet.
DEATHSTARS
DEATHSTARS wird die Ehre zuteil, die Headbangers Stage als letzte Band im Jahr 2019 zu rocken. Auch wenn sicherlich noch mehr Personen in das Bullhead-City-Circus-Zelt gepasst hätten, geben alle Anwesenden die letzten Tropfen verbliebene Energie. Alles andere ist auch nur schwer möglich bei dem mit Synthies angereichertem Industrial Metal, der live nochmal eine Spur brachialer tönt; mitverantwortlich dafür ist Cat Casino, der seit Kurzem wieder die zweiten Gitarre bedient. Auch wenn sich die Jungs seit einigen Jahren mehr als rar gemacht haben, wurde in Sachen Stageacting rein gar nichts verlernt: Sänger Whiplasher überzeugt nicht nur mit seiner tiefen Stimme, sondern schreitet auch unentwegt über die Bühne, fällt mehrmals auf die Knie und nimmt gar die Lautsprecher vor der Bühne für sich ein, um von dort aus auf skurrile Weise den anderen Bandmitgliedern zuzuschauen. Um mit voller Kraft zurückschlagen zu können, wurde in Schlagzeuger Marcus Johansson (u.a. REACH) vorerst eine Übergangslösung gefunden, der diese Aufgabe vollkommen souverän meistert. So gerät der Auftritt zum einem wahren Triumphzug aus Hits, Hits und nochmal Hits (von „Night Electric Night“ über „Death Dies Hard“, „Tongues“, „Semi-Automatic“, „Mark Of The Gun“ und „Cyanide“ bis hin zum finalen „Blitzkrieg“). Welcome back!
Wir danken: Holger, Thomas und dem W:O:A-Team sowie allen, die unsere Arbeit vor, während und nach dem Festival unterstützt haben (you know who you are...)
See you in 2020. Rain or Shine!
