Wacken Open Air 2014
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Freitag

Dass er Wacken verstanden hat, zeigt SKID ROW-Sänger Johny Solinger bereits bei seiner ersten Ansage: "Beer for Breakfast? Hell yeah!", dass er und seine Mitmusiker aber auch zum sonnigen Freitagmittag passen, ist bereits mit dem ersten Ton klar. Allerbester Partysound zwischen Glam Rock und Punk wird ab dem Intro 'Blitzkrieg Bob' der Punklegende THE RAMONES geboten. Dabei macht sich das konstante Touren der Band bezahlt, denn die Truppe ist super eingespielt und präsentiert ihr Material mit viel Energie und Spielfreude. Dem kürzlich verstorbenen Johnny Ramone widmet Solinger das Cover 'Psycho Therapy', einen neuen Song von der, am gleichen Tag erschienenen "United World Revolution - Chapter 2" gibt es zu hören und dann gegen Ende des Sets natürlich auch die bekannten Hits der Frühphase, wobei Solinger hier zeigt, dass er seinem berühmten Vorgänger Sebastian Bach stimmlich durchaus gewachsen ist, während er ihn in puncto Sympathie locker übertrifft. Nach dem brachialen 'Thick Is The Skin' vom fast gleichnamigen Album der aktuellen Besetzung gibt es dann mit 'Monkey Business' und der Bandhymne 'Youth Gone Wild' den erwartbaren großartigen Abschluss. Bier zum Frühstück, dazu Sonnenschein und SKID ROW, ja so kann man einen Festivaltag sehr gut beginnen.
Setlist: Let's Go, Big Guns, Makin' a Mess, Piece of Me, 18 and Life, Thick Is the Skin, Kings of Demolition, Psycho Therapy (RAMONES Cover), I Remember You , Monkey Business, We Are the Damned, Slave to the Grind, Youth Gone Wild.

Der straighte Auf-die-Fresse-Metal der Amis FIVE FINGER DEATH PUNCH kommt genau richtig zur Mittagshitze und wirbelt ordentlich Staub auf. Die Band hat vergangenes Jahr mit "The Wrong Side Of Heaven And The Righteous Side Of Hell" (Part 1 und 2) gleich doppelt gepunktet und konnte wohl gut auf sich aufmerksam machen. Die Band mit Davy Jones am Bass brennt alles nieder und obwohl die Band hierzulande noch nicht so angesagt ist wie über den Teich, gibt es viele Textsichere im Publikum, die zu 'Bad Company', 'Burn MF' oder 'The Bleeding' laut und gerne mitsingen. Zwischendurch gratuliert Sänger Ivan zur WM (da ist er übrigens nicht der Einzige) und wirft entgegen der Regeln sein Handtuch ins Publikum. Revolution! Gleichzeitig zieht er den imaginären Hut vor der Security und bezeichnet sie als Freunde, nicht als Feinde der Fans. Das war eine tolle Vorstellung, 5FDP hat heute bestimmt viele Fans neu gewonnen.

Zum mittlerweile fünften Auftritt von HEAVEN SHALL BURN hat sich grob geschätzt das gesamte W:O:A an diesem extrem heißen Freitag Nachmittag vor der True Stage versammelt. Die Show fängt mit einem ungewöhnlich schnellen und spannungsgeladenen Intro an. Nicht diese gewohnten ruhigen, klassischen Klänge, bei denen man sich in Sicherheit wiegt. Alleine der Anfang lässt schon erahnen, was die Thüringer da oben geplant haben. Die Band betritt die Bühne und die Vorahnung findet sich bestätigt: Mit dem Opener 'Counterweight' zeigt man dem Publikum, dass es keine Gnade zu erwarten braucht. 60 Minuten Moshpit am Stück stehen uns bevor. Bei 30 Grad und Staub. Die Menge braucht keine Sekunde, bis sie in erprobte Mosh- und Circlepit Gewohnheiten einfällt. Ellbogen, Arme, Beine. Alles wird irgendwie benutzt. Ob zum Takt oder nicht, Hauptsache man ist immer in Bewegung und lässt alles raus. Die Ansagen sind wie immer in Deutsch, aber die kleine Pause tut gut. Denn 'Land Of The Upright Ones' lädt nicht zum Schunkeln ein, sondern fordert genauso alles. Die Anzahl der Crowdsurfer nimmt unschöne Ausmaße an. Hinten kann eigentlich keiner mehr stehen. Die müssten mittlerweile alle vorne sein. Aber während Crowdsurfen bei "ruhigeren" Bands sehr nett sein kann, sieht man bei Konzerten mit vielen Pits immer das gleiche Phänomen: Ein sehr glücklicher, euphorischer Fan wird auf Händen nach vorne weiter gereicht, bis... ja, bis der Pit kommt. Dann geht es dank Schwerkraft und fehlender Hände ganz schnell auf den staubigen Boden der Tatsachen und schon ist man nicht ganz vorne direkt vor seiner Lieblingsband, sondern in einem wilden Kreis von durchgedrehten Leuten, die schreien und springen. Alles kein Problem, denn selbst wenn man im Fallen noch den Leuten seine Stiefel ins Gesicht drückt, ist man ein paar Sekunden später voll involviert und herzlich (Aua, Ellbogen, Autsch. Faust. Aua... Ui, macht das Spaß!) aufgenommen. Zu 'Godiva' sind alle Fans vereint: Textsicher singt die Masse mit. Keiner bleibt zurück und keiner kann sich dieser Macht entziehen. Als denn auch noch zu 'Black Tears' Dan Swanö auf die Bühne kommt, der Urheber dieses Songs, und kraftvoll mitgrölt, ist niemand mehr zu halten. Schläge und Tritte merkt man nicht mehr und es gibt nur noch HEAVEN SHALL BURN. Alles andere ist egal. Von den Ansagen bekommt man im Pit auch nichts mehr mit, denn dieser steht mittlerweile auch dann nicht mehr still. Was am Anfang noch kleine Verschnaufpausen ermöglichte, ist nun nicht mehr zu beruhigen. 'Endzeit' setzt nochmal einen oben drauf und alleine die Tatsache, dass alle Leute um einen näher kommen, lässt einen schon in Vorfreude ekstatisch werden. Das ist die Ruhe vor dem Sturm: Die Menge hält inne, um zum ersten Takt in die nun freie Mitte zu rennen. Tausende machen mit und genießen das Gefühl aus Erschöpfung, Erleichterung und unendlicher Ruhe. Bis man auf sein Gegenüber trifft: Dann ist es vorbei mit dem kleinen Moment, in dem die Welt kurz angehalten hat. Die Menge prallt aufeinander. Der Rest ist pures Chaos. Dass als letztes Lied ein Cover gespielt wird, ist zwar etwas ungewöhnlich, aber es ist ja auch nicht irgendein Cover: Leider ohne Live Auftritt der Fantasy- Legende aus dem Rheinland, dafür aber mit einem zu allem bereiten Publikum, donnert 'Valhalla' aus den riesigen Boxen. Das können nun restlos alle mitsingen und so geht ein mächtiger Auftritt würdig zu Ende.

Die ersten Töne von 'Needled 24/7' als Opener versprechen Großes. Und dann gibt es in gewohnt bester Finnen-Manier was auf die Ohren. Allerdings fehlt das typische Live-Cover à la 'Umbrella' dieses Mal. Aber: Auf der Suche nach dem nächsten Song fängt das Keyboard mit den wohlvertrauten Klängen von STRATOVARIUS' 'Black Diamond' an, welches nach einigen Scherzen brachial in 'Downfall' mündet. So muss CHILDREN OF BODOM klingen.
Setlist: Needled 24/7, Kissing The Shadows, Bodom Beach Terror, Halo Of Blood, Scream for Silence, Hate Crew Deathroll, Lake Bodom, Angels Don't Kill, Are You Dead Yet?, Towards Dead End, Hate Me!, Bodom After Midnight, Downfall, In Your Face

Vord dem Auftritt von MOTÖRHEAD fragen sich viele Leute, ob Lemmy spielt oder wie lange er durchhält. Das ist nach dem letztjährigen Konzertabbruch zwar verständlich, doch es ist wohl vor allem die Erschütterung des allgemeinen Glaubens, dass der MOTÖRHEAD-Frontmann quasi unzerstörbar ist, die für diese Unsicherheit verantwortlich ist. Sei's drum, das Trio betritt pünktlich die Bühne und beginnt die Show mit der traditionellen Ansage "We are Motörhead and we play Rock'n'Roll". Dies meint die Band heute besonders ernst, wie die folgenden Songs zeigen. Denn hier wird klar auf die rockigere, man könnte auch sagen langsamere, Seite des langen MOTÖRHEADschen Schaffens gesetzt. So kommt man in den Genuss von 'Going To Brazil', 'The Chase Is Better Than The Catch', 'Doctor Rock' und 'Killed By Death', letzteres natürlich mit einem Gastauftritt von DORO. Lemmy steht wie ein Fels in der Brandung, den nicht mal die Tanz-Einlagen seiner alten Freundin zu einer größeren Reaktion bewegen können. Dafür macht sich der zurückgefahrene Alkoholkonsum in den Ansagen bemerkbar, die deutlich verständlicher sind, als zuletzt. Es ist also ein ordentlicher Auftritt, bei dessen Songauswahl man aber nie dem Eindruck entkommt, dass sie eben auch aus Rücksicht auf das biblische Alter des Hauptprotagonisten so ausgefallen ist. Dieser Eindruck verstärkt sich beim Gassenhauer 'Ace Of Spades', der doch recht schleppend daherkommt, vielleicht auch, weil alle Beteiligten für das Abschließende 'Overkill' Kraft sammeln müssen, das dann aber im originalen Tempo über die Menge rollt. So geht ein Auftritt doch sehr versöhnlich zu Ende, bei dem die Freude und Erleichterung über Lemmys verbesserten Gesundheitszustand doch über vieles hinwegtröstet.
Setlist: Damage Case, Stay Clean, Metropolis, Over the Top, The Chase Is Better Than the Catch, Rock It, Lost Woman Blues, Doctor Rock, Just 'Cos You Got the Power, Going to Brazil, Killed by Death, Ace of Spades, Overkill

SLAYER: Die überdimensionalen umgedrehten Kreuze (bestehend aus Marshall-Amps) lassen einen vor Beginn kurz schmunzeln, dann ist Schluss mit lustig. 'Hell Awaits', 'The Antichrist' und 'Necrophiliac' heißt das überraschend ur-old- schoolige Eröffungstriple. Es ist nicht einmal Zeit, darüber nachzudenken, ob der Sound gerade gut ist (er ist einfach laut!) und ob die Setlist was taugt. Ayaras Gebrüll geht durch Mark und Bein, King und Holt sind sowieso über jeden Zweifel erhaben, und Bostaph... Ja, er ist kein Dave Lombardo, aber groovt trotzdem wie sonst etwas. Schließen tut die Band (samt Jeff-Hanneman-Gedächtnisbanner) mit dem besten Song, der jemals im metallischen Universum geschrieben wurde ('Angel Of Death') und hinterlässt komplett ausgelaugte Fans.

Wer KING DIAMOND kennt, der weiß, was ihn erwartet, und das ist Gruseltheater vom Feinsten, eine schrille Falsett-Stimme der verschärften Glasschneiderliga, und natürlich ein Feuerwerk an Hits aus über dreißig Jahren musikalischen Schaffens. Dass es kurz vor dem Gig noch zum Zerwürfnis mit dem langjährigen Bassisten Hal Patino kam, schmälert die Performance nicht; viel zu erfahren und eingespielt sind der König und seine Gitarreros Andy LaRocque und Mike Wead, sowie Schlagwerker Matt Thompson, als dass hier etwas anbrennen könnte. Außerdem ist Aushilfsbassist Pontus Egberg (bekannt unter anderem von LION'S SHARE und DARK ILLUSION) ebenfalls ein herausragender Musiker, der offenbar keine Mühe damit hatte, sich kurzfristig in die Setlist einzuarbeiten. Wo wir gerade bei der Setlist sind, so ist zu sagen, dass diese sich doch in einigen bemerkenswerten Punkten von jener des vergangenen Jahres unterscheidet, was sich auch in der Bühnenchoreographie bemerkbar macht. Wie eigentlich immer, setzt KING DIAMOND keine allzu deutlichen Schwerpunkte auf einzelne Alben, sondern versucht ein möglichst breites Spektrum seines Schaffens abzudecken. So werden auch dieses Mal Stücke von sage und schreibe zehn verschiedenen KING-Alben sowie von beiden MERCYFUL FATE- Scheiben aus den Achtzigern dargeboten. Großartig ist dabei vor allem auch das Medley in der Mitte des Sets, welches es schafft, einen schlüssigen Bogen von "Them" über "The Spider's Lullabye" bis hin zu "The Graveyard" und zurück zu "Conspiracy" zu schlagen. Dennoch wirkt die Setlist nicht gestückelt, da es die Band versteht, der Performance und insbesondere auch der Choreographie, die sich dieses Mal vor allem um die gute alte Grandma dreht, einen roten Faden zu verleihen. Die theatralischen Darbietungen vom Rollstuhl der Großmutter über das Krematorium bis hin zum Sturz der mit Abigail schwangeren Miriam mögen sicher manch allzu erwachsen gewordenen Metaller belustigen oder sogar etwas peinlich berühren, doch Leute, was wollt ihr? Der Mann macht seine alt bewährte Horrorshow eben genau so, wie sie seine Fans haben wollen und wir wollen doch sehr hoffen, dass das noch lange so anhält. Denn wer gibt sich denn heute noch so viel Mühe mit der Darbietung, dem Stageacting, dem Bühnendesign und derlei Dingen mehr?
Setlist: The Candle, Sleepless Nights, Welcome Home, Never Ending Hill, Let It Be Done, The Puppet Master, At the Graves, Tea / To the Morgue / Digging Graves / A Visit from the Dead, Evil (MERCYFUL FATE), Come To The Sabbath (MERCYFUL FATE), Shapes of Black, Eye of the Witch, Zugabe: Cremation, The Family Ghost, Black Horsemen, Insanity

Die Rolle des Rausschmeißers für alle nimmermüden fällt heute W.A.S.P. zu, deren letzter Auftritt in Wacken noch im strahlenden Sonnenschein am frühen Nachmittag stattfand. Da Frontmann Blackie Lawless allerdings bei Tageslicht ziemlich alt aussieht, tut die nächtliche Beleuchtung seinem zerfurchten Antlitz eher gut. Um diese Uhrzeit muss man natürlich damit rechnen, dass das Publikum etwas weniger feierwütig ist. W.A.S.P. konzentriert sich auf die Gassenhauer, von denen Lawless und Compagnons in 35 Jahren eine beachtliche Menge geschrieben haben. Mit 'On Your Knees' startet die Band knackig und druckvoll in das Set und legt direkt mit dem THE-WHO-Cover 'The Real Me' und Klassikern vom Kaliber 'L.O.V.E. Machine' und 'Wild Child'nach. Blackie ist einmal mehr beeindruckend bei Stimme, was den gerne mal geäußerten Playback-Gerüchten zumindest nicht das Wasser abgraben dürfte. Die Begleitband ist, wie auch in den letzten Jahren schon, sehr gut eingespielt und bringt das Material mit viel Energie und Schwung auf die Bühne. Erstaunen macht sich bemerkbar, als bereits an siebter Stelle des Sets 'I Wanna Be Somebody' angestimmt wird, sonst eigentlich als Rausschmeißer fest eingeplant. Doch W.A.S.P. hat sich eine kleine Überraschung für den Rest des Auftritts ausgedacht, die mit 'The Titanic Overture', dem Intro des Klassikers "The Crimson Idol" eingeläutet wird. Dem folgt nämlich ein ganzer Block von Songs mit W.A.S.P.-Favoriten, 'The Invisible Boy', 'The Idol' und 'Chainsaw Charlie' werden am Stück gezockt, bevor die Fans mit der Ballade 'Heaven's Hung In Black' und 'Blind In Texas' endgültig in die Nacht von Wacken entlassen werden.
Setlist: On Your Knees, The Torture Never Stops, The Real Me, L.O.V.E. Machine, Wild Child, Sleeping (in the Fire) / Forever Free, I Wanna Be Somebody,The Titanic Overture, The Invisible Boy, The Idol, Chainsaw Charlie (Murders in the New Morgue), Heaven's Hung in Black, Blind in Texas

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