Wacken Open Air 2014
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DAS Metal-Festival Nr.1, No. 25!

Ein kleines Dorf, über 80.000 Metalfans und weit mehr als 100 Bands. Das WACKEN OPEN AIR ist eine Veranstaltung der Superlative. Un das in diesem Jahr zum 25. Mal. Bei dieser Auswahl ist für jede Sparte etwas dabei. Headliner wie DEEP PURPLE, RAMMSTEIN, MOTÖRHEAD, NIGHTWISH oder ALICE COOPER stehen meist für tolle Auftritte und gute Stimmung. Auch Metaller mit anderen Vorlieben finden z.B. bei den zahlreichen Bands des "Metal Battle" jede Menge Unterhaltung, es müssen nicht immer die größten Bühnen sein. In diesem Jahr hieß es im Norden drei Tage "Faster, Harder, Louder" bei gutem Wetter!

Donnerstag

Nach der obligatorischen Eröffnung durch SKYLINE und der anschließend musikalisch nicht relevanten Performance von BÜLENT CEYLAN ist für HAMMERFALL alles angerichtet: Das Wetter spielt mit, es gibt keine Konkurrenzband und das Publikum ist heiß, was wohl auch mit der Ankündigung, das umjubelte Debüt komplett aufzuführen, zu tun hat. Leider mag der Sound und der Funke von der Band einfach nicht so richtig überspringen. Mitsingspielchen funktionieren zwar, wenngleich nur im vordersten Teil des Publikums. Die Setlist ist sehr ordentlich, trotzdem fehlt etwas. Auch die Gastauftritte von Stefan Elmgren und Jesper Strömblad sind zwar nett, sorgen jedoch nicht für die ganz großen Jubler – nicht einmal bei Erwähnung des Namens "IN FLAMES". Schade.

Stilecht wird Sänger Biff per Motorrad auf die Bühne gefahren, bevor es denn auch schon ohne große Ansage mit 'Motorcycle Man' losgeht. Spielfreudig und gut gelaunt gelingt es SAXON mal wieder, die Menge, trotz einsetzendem Nieselregen, zum Feiern zu bewegen. Zwischen den einzelnen Liedern gibt es nur verhaltene Ansagen, wie: "Make some fucking noise", aber Biffs imposante Gestalt braucht auch nicht mehr zu sagen. Die Menge ist begeistert. Schnörkellos und nur mit kleinen Pyroeffekten akzentuiert, werden die großen Hits gespielt. Wenn die Band klatscht und hüpft, klatscht und hüpft auch das Publikum. Brav gratuliert SAXON dem W:O:A zum 25. Geburtstag und sich selbst gleich mit zum 35. Bandjubiläum. Man bekommt, was man von SAXON braucht: eine gute Show und gute Lieder. Dann aber wechselt das Bühnenlicht vom Roten ins Blaue und zu den ersten Tönen von 'Crusader' erklingt ein Orchester. Unterstützt wird diese Wende durch den Bühnenaufbau: Es erscheint nun ein Kirchenfenster nebst einigen Kirchenintarsien und das klassische Ensemble in Form von Streichern und Percussionist tritt ins Rampenlicht. Von diesem Zeitpunkt an werden alle Songs mit orchestraler Unterstützung dargeboten.
Setlist: Motorcycle Man, Sacrifice, Heavy Metal Thunder, Solid Ball Of Rock, Wheels Of Steel, 747 (Strangers In The Night). Mit Orchester: Crusader, Battalions Of Steel, The Eagle Has Landed, Power And The Glory, Dallas 1 p.m., Princess Of The Night, Denim And Leather

Kurz bevor ACCEPT die Bühne betritt beginnt leichter Regen einzusetzen. Doch der Wettergott hat ein Einsehen. Eine perfekt eingespielte, dynamische und energische Band präsentiert sich dem Publikum, geprägt vom Hoffmannschen Gitarrenspiel und angeführt vom souveränen Mark Tornillo, der nun bereits auf drei Alben die Stimme der neuen ACCEPT ist. Das Selbstverständnis der Band zeigt sich bereits bei der selbstbewußten Entscheidung, den Auftritt mit der brandneuen Single 'Stampede' zu eröffnen. Hier wird nicht auf Nostalgie gesetzt, die alten Fans noch einmal mit ein paar Gassenhauern ruhig gestellt, nein, hier ist eine aktive Band zu sehen, die ihre neuen Songs unerschrocken unter die Klassiker mischt und dabei voll überzeugt. Denn weder der Opener, noch 'Shadow Soldiers' oder der Titelsong vom letzten Album "Stalingrad" fallen im munteren Reigen zwischen 'London Leatherboys', 'Winners & Losers' oder 'Flashrocking Man' als Fremdkörper auf, sondern passen sich wunderbar in das Set ein. Das ganze wird mit viel Druck, einem mächtigen Sound und einer perfekt eingespielten Band vorgetragen, so dass die gleichaltrigen SAXON bei ihrem vorhergegangenen Auftritt dagegen ganz schön alt aussehen. Da sich Tornillo bei den Ansagen auch zurückhält und es bei ein paar "Dankeschön" belässt, bleibt mir am Ende des Auftritts nur übrig, zu konstatieren, dass die Mannen von ACCEPT fast alles anders als 2005 und damit eigentlich alles richtig gemacht haben.
Setlist: Stampede, Stalingrad, Losers And Winners, Monsterman, London Leatherboys, Breaker, Shadow Soldiers, Restless And Wild, Ahead Of The Pack, Flash Rockin' Man, Princess Of The Dawn, Fast As A Shark, Starlight, Pandemic, Metal Heart, Teutonic Terror, Balls To The Wall, Burning


Freitag

Dass er Wacken verstanden hat, zeigt SKID ROW-Sänger Johny Solinger bereits bei seiner ersten Ansage: "Beer for Breakfast? Hell yeah!", dass er und seine Mitmusiker aber auch zum sonnigen Freitagmittag passen, ist bereits mit dem ersten Ton klar. Allerbester Partysound zwischen Glam Rock und Punk wird ab dem Intro 'Blitzkrieg Bob' der Punklegende THE RAMONES geboten. Dabei macht sich das konstante Touren der Band bezahlt, denn die Truppe ist super eingespielt und präsentiert ihr Material mit viel Energie und Spielfreude. Dem kürzlich verstorbenen Johnny Ramone widmet Solinger das Cover 'Psycho Therapy', einen neuen Song von der, am gleichen Tag erschienenen "United World Revolution - Chapter 2" gibt es zu hören und dann gegen Ende des Sets natürlich auch die bekannten Hits der Frühphase, wobei Solinger hier zeigt, dass er seinem berühmten Vorgänger Sebastian Bach stimmlich durchaus gewachsen ist, während er ihn in puncto Sympathie locker übertrifft. Nach dem brachialen 'Thick Is The Skin' vom fast gleichnamigen Album der aktuellen Besetzung gibt es dann mit 'Monkey Business' und der Bandhymne 'Youth Gone Wild' den erwartbaren großartigen Abschluss. Bier zum Frühstück, dazu Sonnenschein und SKID ROW, ja so kann man einen Festivaltag sehr gut beginnen.
Setlist: Let's Go, Big Guns, Makin' a Mess, Piece of Me, 18 and Life, Thick Is the Skin, Kings of Demolition, Psycho Therapy (RAMONES Cover), I Remember You , Monkey Business, We Are the Damned, Slave to the Grind, Youth Gone Wild.

Der straighte Auf-die-Fresse-Metal der Amis FIVE FINGER DEATH PUNCH kommt genau richtig zur Mittagshitze und wirbelt ordentlich Staub auf. Die Band hat vergangenes Jahr mit "The Wrong Side Of Heaven And The Righteous Side Of Hell" (Part 1 und 2) gleich doppelt gepunktet und konnte wohl gut auf sich aufmerksam machen. Die Band mit Davy Jones am Bass brennt alles nieder und obwohl die Band hierzulande noch nicht so angesagt ist wie über den Teich, gibt es viele Textsichere im Publikum, die zu 'Bad Company', 'Burn MF' oder 'The Bleeding' laut und gerne mitsingen. Zwischendurch gratuliert Sänger Ivan zur WM (da ist er übrigens nicht der Einzige) und wirft entgegen der Regeln sein Handtuch ins Publikum. Revolution! Gleichzeitig zieht er den imaginären Hut vor der Security und bezeichnet sie als Freunde, nicht als Feinde der Fans. Das war eine tolle Vorstellung, 5FDP hat heute bestimmt viele Fans neu gewonnen.

Zum mittlerweile fünften Auftritt von HEAVEN SHALL BURN hat sich grob geschätzt das gesamte W:O:A an diesem extrem heißen Freitag Nachmittag vor der True Stage versammelt. Die Show fängt mit einem ungewöhnlich schnellen und spannungsgeladenen Intro an. Nicht diese gewohnten ruhigen, klassischen Klänge, bei denen man sich in Sicherheit wiegt. Alleine der Anfang lässt schon erahnen, was die Thüringer da oben geplant haben. Die Band betritt die Bühne und die Vorahnung findet sich bestätigt: Mit dem Opener 'Counterweight' zeigt man dem Publikum, dass es keine Gnade zu erwarten braucht. 60 Minuten Moshpit am Stück stehen uns bevor. Bei 30 Grad und Staub. Die Menge braucht keine Sekunde, bis sie in erprobte Mosh- und Circlepit Gewohnheiten einfällt. Ellbogen, Arme, Beine. Alles wird irgendwie benutzt. Ob zum Takt oder nicht, Hauptsache man ist immer in Bewegung und lässt alles raus. Die Ansagen sind wie immer in Deutsch, aber die kleine Pause tut gut. Denn 'Land Of The Upright Ones' lädt nicht zum Schunkeln ein, sondern fordert genauso alles. Die Anzahl der Crowdsurfer nimmt unschöne Ausmaße an. Hinten kann eigentlich keiner mehr stehen. Die müssten mittlerweile alle vorne sein. Aber während Crowdsurfen bei "ruhigeren" Bands sehr nett sein kann, sieht man bei Konzerten mit vielen Pits immer das gleiche Phänomen: Ein sehr glücklicher, euphorischer Fan wird auf Händen nach vorne weiter gereicht, bis... ja, bis der Pit kommt. Dann geht es dank Schwerkraft und fehlender Hände ganz schnell auf den staubigen Boden der Tatsachen und schon ist man nicht ganz vorne direkt vor seiner Lieblingsband, sondern in einem wilden Kreis von durchgedrehten Leuten, die schreien und springen. Alles kein Problem, denn selbst wenn man im Fallen noch den Leuten seine Stiefel ins Gesicht drückt, ist man ein paar Sekunden später voll involviert und herzlich (Aua, Ellbogen, Autsch. Faust. Aua... Ui, macht das Spaß!) aufgenommen. Zu 'Godiva' sind alle Fans vereint: Textsicher singt die Masse mit. Keiner bleibt zurück und keiner kann sich dieser Macht entziehen. Als denn auch noch zu 'Black Tears' Dan Swanö auf die Bühne kommt, der Urheber dieses Songs, und kraftvoll mitgrölt, ist niemand mehr zu halten. Schläge und Tritte merkt man nicht mehr und es gibt nur noch HEAVEN SHALL BURN. Alles andere ist egal. Von den Ansagen bekommt man im Pit auch nichts mehr mit, denn dieser steht mittlerweile auch dann nicht mehr still. Was am Anfang noch kleine Verschnaufpausen ermöglichte, ist nun nicht mehr zu beruhigen. 'Endzeit' setzt nochmal einen oben drauf und alleine die Tatsache, dass alle Leute um einen näher kommen, lässt einen schon in Vorfreude ekstatisch werden. Das ist die Ruhe vor dem Sturm: Die Menge hält inne, um zum ersten Takt in die nun freie Mitte zu rennen. Tausende machen mit und genießen das Gefühl aus Erschöpfung, Erleichterung und unendlicher Ruhe. Bis man auf sein Gegenüber trifft: Dann ist es vorbei mit dem kleinen Moment, in dem die Welt kurz angehalten hat. Die Menge prallt aufeinander. Der Rest ist pures Chaos. Dass als letztes Lied ein Cover gespielt wird, ist zwar etwas ungewöhnlich, aber es ist ja auch nicht irgendein Cover: Leider ohne Live Auftritt der Fantasy- Legende aus dem Rheinland, dafür aber mit einem zu allem bereiten Publikum, donnert 'Valhalla' aus den riesigen Boxen. Das können nun restlos alle mitsingen und so geht ein mächtiger Auftritt würdig zu Ende.

Die ersten Töne von 'Needled 24/7' als Opener versprechen Großes. Und dann gibt es in gewohnt bester Finnen-Manier was auf die Ohren. Allerdings fehlt das typische Live-Cover à la 'Umbrella' dieses Mal. Aber: Auf der Suche nach dem nächsten Song fängt das Keyboard mit den wohlvertrauten Klängen von STRATOVARIUS' 'Black Diamond' an, welches nach einigen Scherzen brachial in 'Downfall' mündet. So muss CHILDREN OF BODOM klingen.
Setlist: Needled 24/7, Kissing The Shadows, Bodom Beach Terror, Halo Of Blood, Scream for Silence, Hate Crew Deathroll, Lake Bodom, Angels Don't Kill, Are You Dead Yet?, Towards Dead End, Hate Me!, Bodom After Midnight, Downfall, In Your Face

Vord dem Auftritt von MOTÖRHEAD fragen sich viele Leute, ob Lemmy spielt oder wie lange er durchhält. Das ist nach dem letztjährigen Konzertabbruch zwar verständlich, doch es ist wohl vor allem die Erschütterung des allgemeinen Glaubens, dass der MOTÖRHEAD-Frontmann quasi unzerstörbar ist, die für diese Unsicherheit verantwortlich ist. Sei's drum, das Trio betritt pünktlich die Bühne und beginnt die Show mit der traditionellen Ansage "We are Motörhead and we play Rock'n'Roll". Dies meint die Band heute besonders ernst, wie die folgenden Songs zeigen. Denn hier wird klar auf die rockigere, man könnte auch sagen langsamere, Seite des langen MOTÖRHEADschen Schaffens gesetzt. So kommt man in den Genuss von 'Going To Brazil', 'The Chase Is Better Than The Catch', 'Doctor Rock' und 'Killed By Death', letzteres natürlich mit einem Gastauftritt von DORO. Lemmy steht wie ein Fels in der Brandung, den nicht mal die Tanz-Einlagen seiner alten Freundin zu einer größeren Reaktion bewegen können. Dafür macht sich der zurückgefahrene Alkoholkonsum in den Ansagen bemerkbar, die deutlich verständlicher sind, als zuletzt. Es ist also ein ordentlicher Auftritt, bei dessen Songauswahl man aber nie dem Eindruck entkommt, dass sie eben auch aus Rücksicht auf das biblische Alter des Hauptprotagonisten so ausgefallen ist. Dieser Eindruck verstärkt sich beim Gassenhauer 'Ace Of Spades', der doch recht schleppend daherkommt, vielleicht auch, weil alle Beteiligten für das Abschließende 'Overkill' Kraft sammeln müssen, das dann aber im originalen Tempo über die Menge rollt. So geht ein Auftritt doch sehr versöhnlich zu Ende, bei dem die Freude und Erleichterung über Lemmys verbesserten Gesundheitszustand doch über vieles hinwegtröstet.
Setlist: Damage Case, Stay Clean, Metropolis, Over the Top, The Chase Is Better Than the Catch, Rock It, Lost Woman Blues, Doctor Rock, Just 'Cos You Got the Power, Going to Brazil, Killed by Death, Ace of Spades, Overkill

SLAYER: Die überdimensionalen umgedrehten Kreuze (bestehend aus Marshall-Amps) lassen einen vor Beginn kurz schmunzeln, dann ist Schluss mit lustig. 'Hell Awaits', 'The Antichrist' und 'Necrophiliac' heißt das überraschend ur-old- schoolige Eröffungstriple. Es ist nicht einmal Zeit, darüber nachzudenken, ob der Sound gerade gut ist (er ist einfach laut!) und ob die Setlist was taugt. Ayaras Gebrüll geht durch Mark und Bein, King und Holt sind sowieso über jeden Zweifel erhaben, und Bostaph... Ja, er ist kein Dave Lombardo, aber groovt trotzdem wie sonst etwas. Schließen tut die Band (samt Jeff-Hanneman-Gedächtnisbanner) mit dem besten Song, der jemals im metallischen Universum geschrieben wurde ('Angel Of Death') und hinterlässt komplett ausgelaugte Fans.

Wer KING DIAMOND kennt, der weiß, was ihn erwartet, und das ist Gruseltheater vom Feinsten, eine schrille Falsett-Stimme der verschärften Glasschneiderliga, und natürlich ein Feuerwerk an Hits aus über dreißig Jahren musikalischen Schaffens. Dass es kurz vor dem Gig noch zum Zerwürfnis mit dem langjährigen Bassisten Hal Patino kam, schmälert die Performance nicht; viel zu erfahren und eingespielt sind der König und seine Gitarreros Andy LaRocque und Mike Wead, sowie Schlagwerker Matt Thompson, als dass hier etwas anbrennen könnte. Außerdem ist Aushilfsbassist Pontus Egberg (bekannt unter anderem von LION'S SHARE und DARK ILLUSION) ebenfalls ein herausragender Musiker, der offenbar keine Mühe damit hatte, sich kurzfristig in die Setlist einzuarbeiten. Wo wir gerade bei der Setlist sind, so ist zu sagen, dass diese sich doch in einigen bemerkenswerten Punkten von jener des vergangenen Jahres unterscheidet, was sich auch in der Bühnenchoreographie bemerkbar macht. Wie eigentlich immer, setzt KING DIAMOND keine allzu deutlichen Schwerpunkte auf einzelne Alben, sondern versucht ein möglichst breites Spektrum seines Schaffens abzudecken. So werden auch dieses Mal Stücke von sage und schreibe zehn verschiedenen KING-Alben sowie von beiden MERCYFUL FATE- Scheiben aus den Achtzigern dargeboten. Großartig ist dabei vor allem auch das Medley in der Mitte des Sets, welches es schafft, einen schlüssigen Bogen von "Them" über "The Spider's Lullabye" bis hin zu "The Graveyard" und zurück zu "Conspiracy" zu schlagen. Dennoch wirkt die Setlist nicht gestückelt, da es die Band versteht, der Performance und insbesondere auch der Choreographie, die sich dieses Mal vor allem um die gute alte Grandma dreht, einen roten Faden zu verleihen. Die theatralischen Darbietungen vom Rollstuhl der Großmutter über das Krematorium bis hin zum Sturz der mit Abigail schwangeren Miriam mögen sicher manch allzu erwachsen gewordenen Metaller belustigen oder sogar etwas peinlich berühren, doch Leute, was wollt ihr? Der Mann macht seine alt bewährte Horrorshow eben genau so, wie sie seine Fans haben wollen und wir wollen doch sehr hoffen, dass das noch lange so anhält. Denn wer gibt sich denn heute noch so viel Mühe mit der Darbietung, dem Stageacting, dem Bühnendesign und derlei Dingen mehr?
Setlist: The Candle, Sleepless Nights, Welcome Home, Never Ending Hill, Let It Be Done, The Puppet Master, At the Graves, Tea / To the Morgue / Digging Graves / A Visit from the Dead, Evil (MERCYFUL FATE), Come To The Sabbath (MERCYFUL FATE), Shapes of Black, Eye of the Witch, Zugabe: Cremation, The Family Ghost, Black Horsemen, Insanity

Die Rolle des Rausschmeißers für alle nimmermüden fällt heute W.A.S.P. zu, deren letzter Auftritt in Wacken noch im strahlenden Sonnenschein am frühen Nachmittag stattfand. Da Frontmann Blackie Lawless allerdings bei Tageslicht ziemlich alt aussieht, tut die nächtliche Beleuchtung seinem zerfurchten Antlitz eher gut. Um diese Uhrzeit muss man natürlich damit rechnen, dass das Publikum etwas weniger feierwütig ist. W.A.S.P. konzentriert sich auf die Gassenhauer, von denen Lawless und Compagnons in 35 Jahren eine beachtliche Menge geschrieben haben. Mit 'On Your Knees' startet die Band knackig und druckvoll in das Set und legt direkt mit dem THE-WHO-Cover 'The Real Me' und Klassikern vom Kaliber 'L.O.V.E. Machine' und 'Wild Child'nach. Blackie ist einmal mehr beeindruckend bei Stimme, was den gerne mal geäußerten Playback-Gerüchten zumindest nicht das Wasser abgraben dürfte. Die Begleitband ist, wie auch in den letzten Jahren schon, sehr gut eingespielt und bringt das Material mit viel Energie und Schwung auf die Bühne. Erstaunen macht sich bemerkbar, als bereits an siebter Stelle des Sets 'I Wanna Be Somebody' angestimmt wird, sonst eigentlich als Rausschmeißer fest eingeplant. Doch W.A.S.P. hat sich eine kleine Überraschung für den Rest des Auftritts ausgedacht, die mit 'The Titanic Overture', dem Intro des Klassikers "The Crimson Idol" eingeläutet wird. Dem folgt nämlich ein ganzer Block von Songs mit W.A.S.P.-Favoriten, 'The Invisible Boy', 'The Idol' und 'Chainsaw Charlie' werden am Stück gezockt, bevor die Fans mit der Ballade 'Heaven's Hung In Black' und 'Blind In Texas' endgültig in die Nacht von Wacken entlassen werden.
Setlist: On Your Knees, The Torture Never Stops, The Real Me, L.O.V.E. Machine, Wild Child, Sleeping (in the Fire) / Forever Free, I Wanna Be Somebody,The Titanic Overture, The Invisible Boy, The Idol, Chainsaw Charlie (Murders in the New Morgue), Heaven's Hung in Black, Blind in Texas


Samstag

Die Sonne strahlt bereits erbarmungslos auf die Fans, die erwartungsvoll vor der Bühne ausharren, um ARCH ENEMY und Alissa White-Gluz die Ehre zu erweisen. Alissa tritt in die großen Fußstapfen ihrer Vorgängerin Angela Gossow, zeigt dabei sogar ein größeres Klangspektrum, am hörbar wohlsten fühlt sie sich aber mit den neuen Songs von "War Eternal", wovon es nach dem Opener 'Yesterday Is Dead And Gone' auch gleich den Titeltrack auf die Ohren gibt. Aber auch die restliche Band spielt heute ein Konzert vom obersten Regal, die Soli flitzen, die Beats sitzen. Die Fans lassen sich vom Wetter nichts sagen und treiben es mit Circle Pits und ähnlichen schweißtreibenden Dingen wild. Was für eine Party! Alissa bedankt sich für die freundliche Aufnahme und bittet mit 'Nemesis' nochmal zum letzten Tanz. ARCH ENEMY hat definitiv alles richtig gemacht und erlebt mit neuer Frontdame den zweiten Frühling. Stark!

Vor der Party Stage lauern die Fans derweil auf PRONGs Tommy Victor und seine Begleitmannschaft, die nicht nur vor kurzem ein starkes neues Album veröffentlicht, sondern auch bereits eine Tour in diesem Jahr gespielt haben. Somit groovt die Hölle und bietet ein herrliches Kontrastprogramm zum Sound auf der großen Bühne. Der Sound ist aufs Wesentliche reduziert, Bass, Schlagzeug und Gitarre tönen mindestens so trocken wie der Wacken-Staub vor der Bühne, Ansagen und Stageacting tragen dem ebenfalls Rechnung. Doch Victor und Co. sind um jeden Fan dankbar, der ihnen heute einen Besuch abstattet und geben alles. Ob 'Power Of The Damager', 'Snap Your Fingers, Snap Your Neck' oder 'Whose Fist Is This Anyway?', die knackigen Hits der Truppe werden gnadenlos abgefeuert und sorgen für Bewegung und breites Grinsen bei den Anwesenden. PRONG ist und bleibt einfach eine tolle Liveband, die immer Energie freisetzt und so den letzten Tag des Festivals perfekt einläutet. Und so verlasse ich nach einem kräftigen Weckruf die Party Stage, auf der Suche nach einem echten SKID-ROW-Frühstück.
Setlist: Eternal Heat, Lost And Found, Ruining Lives, Unconditional, Beg To Differ, Turnover, Carved Into Stone, Revenge...Best Served Cold, Whose Fist Is This Anyway?, Snap Your Fingers, Snap Your Neck, Power Of The Damager, Another Worldly Device

Die sengende Mittagshitze am letzten Festivaltag ist durchaus eine Hürde, die genommen werden will. SODOM kümmert das alles wenig und zaubert eine richtig starke Show auf die Metal-Bretter, welche in keinerlei Hinsicht auffällig, sondern einfach nur verdammt gut ist. Es gibt 'Agent Orange' zur Eröffnung (!) und anschließend eine wunderbar bunte Setlist, die 60 Minuten lang heruntergezimmert wird. Angelripper ist bester Laune, das Publikum ebenfalls und selbst dem Soundmann scheint die mit Sicherheit kurze Nacht nicht mehr in den Knochen zu stecken. Mit diesem Auftritt hätte man SODOM auch zu jeder späteren Zeit auftreten lassen können, aber vielleicht war es einfach ein kluger Schachzug, recht große Bands (wie ARCH ENEMY zuvor oder BEHEMOTH im Anschluss) zu so früher Stunde auf die Meute loszulassen. SODOM macht jedenfalls alles richtig und liefert ein Konzert allererster metallischer Güte ab, bei dem mir schlichtweg kein Kritikpunkt einfallen will. "The saw is the law!"

Auch wenn man Nergal das Herzblut seiner Show ohne Zweifel abnimmt, ist es schon eine große Inszenierung, der man hier in der Mittagshitze beiwohnt. Und natürlich wäre der gleiche Auftritt im Dunkeln noch effektvoller gewesen. Die Setlist ist ein Traum: Angefangen bei neuerem Material von "The Satanist" ('Ora Pro Nobis Lucifer') über "Demigod"-Klassiker ('Slaves Shall Serve') bis hin zu alten Hymnen ('Chant For Eschaton 2000') sitzt einfach alles. Ein Konzert, das sowohl für die Augen als auch die Ohren mehr liefert, als man während der 75 Minuten eigentlich aufnehmen kann. Daher dominiert nach den letzten Tönen von 'O Father O Satan O Sun!' auch primär ein Gefühl: Die Vorfreude auf den nächsten BEHEMOTH-Gig.

AMON AMARTH legt nach einem kleinen Intro gleich die Bühne mit einem Feuerwerk in Schutt und Asche. Die Kulisse der beiden Drachen, welche rechts und links neben dem Schlagzeug aufgebaut wurde, ist spektakulär. Die Bühnenshow profitiert nicht nur von der gewaltigen Kulisse und den Pyro-Effekten, sondern auch von der Agilität von Frontmann Johan Hegg. Er kombiniert den Wikinger-Look von AMON AMARTH mit sympathischen Lachen und grinsen sowie freundlichen Anfeuern der Gemeinde. Die ersten drei Songs sind vom letzten Album "Deceiver Of The Gods" und überzeugen, insbesondere als Johan sich auf die Drachenköpfen stellte. Daraufhin ist die Menge nicht mehr zu halten. Es gibt mehrere Circle Pits und und viele Crowdsurfer. Das gesamte Festival-Gelände ist gefüllt und die Stimmung von AMON AMARTH sorgt für mächtig Bewegung. Stillstehen Fehlanzeige. Mit den Kultsongs 'For Victory Or Death' oder dem letzten Song 'The Pursuit Of Vikings' sind sowohl die Band als auch die Fans gemeinsam am feiern.
Setlist: Father Of The Wolf, Deceiver Of The Gods, As Loke Falls, Varyags Of Miklagaard, For Victory Or Death, Guardians Of Asgaard, Cry Of The Black Birds, We Shall Destroy, Asator, War Of The Gods, Victorious March, Twilight Of The Thunder God, The Pursuit Of Vikings

Dave "the Mouth" Mustaine kommt nach Wacken! Pünktlich um 20.30 dröhnt ein Intro aus den Boxen, über die drei Leinwände auf der Bühne flirren Graphiken. Doch auf einmal bricht das Intro ab und alle gucken sich etwas verdutzt an. Langsam werden die ersten ungeduldig und auf einmal stehen sie doch auf der Bühne und spielen 'Hangar 18'. Doch man hört nichts. Nach ein paar Takten ist auch das behoben und jetzt läuft es wie geölt. Es folgt ein Feuerwerk an Hits - Von 'Wake Up Dead', In My Darkest Hour', 'Skin O' My Teeth', 'Sweating Bullets' (mit einem überzeugenden Dave als Psycho) über 'Symphony Of Destruction' bis 'Holy Wars'. Der beste Mann MEGADETHs ist heute zumindest Gitarrist Chris Broderick. Er weiß das Publikum zu animieren und etwas Bewegung in die zähe Menge zu bringen. Dave Mustaine selbst wirkt etwas abwesend, wenn er was sagt, ist es wortkarg und nicht sehr kreativ.

Tobias Sammet ist inzwischen fast so oft in Wacken wie DORO, mal mit EDGUY und nun schon zum dritten Mal mit seinem Projekt AVANTASIA, das die Rolle des Quasi-Headliners am Samstag übernimmt. Entsprechend voll ist es inzwischen vor der Hauptbühne geworden, wenn nicht ganz Wacken, so ist doch der größte Teil angetreten, um sich die süßliche Mischung aus Bombast und Kitsch mit wechselnden Sängern anzuschauen.
Setlist: Spectres, Invoke The Machine, The Scarecrow, The Story Ain't Over, Prelude, Reach Out For The Light, Avantasia, What's Left Of Me, Dying For An Angel, Farewell, Shelter From The Rain, The Great Mystery, Twisted Mind, Promised Land, Lost In Space, Sign Of The Cross / The Seven Angels

Zwei Feuer-Engel betreten die Bühne und umrahmen den Auftakt zu einem sehr New-School-lastigen KREATOR-Auftritt; lediglich 'Endless Pain', 'Pleasure To Kill' und das schließende Doppel 'Flag Of Hate'/'Tormentor' sind Kracher früherer Stunden. Mille und seine Mannen gehen aber auch so selbstbewusst und mit viel Freude an der Sache durch den Gig, der somit eher von "neuen Klassikern" ('Enemy Of God', 'Violient Revolution', 'Phobia') lebt. Dabei ist die Bühne ist mit allerhand Kram im "Phantom Antichrist"-Stil vollgepackt, was ansehnlich, aber wenig wichtig ist. Denn jeder, der hier vor der Bühne steht, weiß genau, was er von KREATOR will: Zum einen von 1A-Thrash niedergebrettert und zum anderen von Herrn Petrozza, wie immer mit dem einen oder anderen Brüller auf den Lippen, mal so richtig angebrüllt zu werden. Beides gelingt heute gut, wenngleich der klare, aber doch zu leise Sound dem Gänsehauterlebnis ein wenig im Wege steht. Auch wenn ich KREATOR insgesamt schon bissiger erlebt habe, war das ein sehr feiner Gig.

Pro:
- die neue Geländeaufteilung und Einlass-Schleusen
- das Wetter
- die Stimmung auf dem Festivalgelände

Contra:
- schale Getränke (nicht sooo viel vorzapfen...)
- Sound teilweise zu leise

Wir danken: Holger, Thomas und dem W:O:A-Team sowie allen, die unsere Arbeit vor, während und nach dem Festival unterstützt haben (you know who you are...)

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