Wacken Open Air 2013
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DAS Metal-Festival Nr.1 geht in die 24. Runde!

Ein kleines Dorf, über 80.000 Metalfans und weit mehr als 100 Bands. Das WACKEN OPEN AIR ist einfach eine Veranstaltung der Superlative. Bei dieser Auswahl ist für jede Sparte etwas dabei. Headliner wie DEEP PURPLE, RAMMSTEIN, MOTÖRHEAD, NIGHTWISH oder ALICE COOPER stehen meist für tolle Auftritte und gute Stimmung. Auch Metaller mit anderen Vorlieben finden mit CANDLEMASS, NAGLFAR, KRYPTOS und den zahlreichen Bands des "Metal Battle" jede Menge Unterhaltung, es müssen nicht immer die größten Bühnen sein. Nach dem Schlammchaos des letzten Jahres stehen die Vorzeichen für ein entspanntes Festivals bestens und die Anwesenden freuen sich auf drei Tage "Faster, Harder, Louder!".

 

Donnerstag

Das Festival wird traditionell von SKYLINE eröffnet, bei denen auch Wacken-Chef Thomas Jensen zum Eröffnungsauftritt den Bass zupft. Sonnenstrahlen, blauer Himmel und Metalheads soweit das Auge reicht: Der heilige Acker macht sich bereit für das größte Metal-Festival der Welt. Mit einer wie üblich aus Coverhits bestehenden Setlist wird die P.A. zum ersten Mal einem Härtetest unterzogen, den Anfang machen u.a. 'Strong Arm Of the Law' (SAXON) und 'Still Of the Night' (WHITESNAKE). Da bei diesem Wetter auch die Kehlen nicht lange trocken bleiben wollen, herrscht von Anfang an beste Stimmung, die hier schon besser ist als auf manchem Festival beim Headliner. Nummern wie 'Paranoid' (BLACK SABBATH), 'T.N.T' (AC/DC) oder 'Paradise City' (GUNS 'N' ROSES) kann eh jeder der Anwesenden mitsingen, das Aufwärmprogramm ist gut überstanden.

Direkt weiter geht es auf der Black Stage mit den Thrash-Recken von ANNIHILATOR. Die Amis starten mit einem Song des kommenden Albums "Feast". 'Smear Campaign' wird vom Publikum jedenfalls genau so euphorisch bejubelt wie die Bandklassiker 'Alison Hell' oder 'Set the World on Fire'. Na wenn das nicht mal ein toller Einstand ist, mühelos animieren Mastermind Jeff Waters und Sänger/Gitarrist Dave Padden die Fans, die sich nicht lange bitten lassen und den ersten Aufschlag des Festivals würdig beklatschen. Genau so amtlich wie die Performance der Band ist übrigens auch der Sound, auszusetzen gibt es an diesem Gig rein gar nichts. Man mag sich zwar fragen, ob eine Band wie ANNIHILATOR nicht lieber am Abend spielen sollte, aber letztendlich muss ja auch tagsüber richtig eingeheizt werden. Und genau das wurde es.

Der erste "richtig große" Act ist in diesem Jahr DEEP PURPLE. Auch Hard Rock hat seinen Platz in Wacken, und wen kann man da besser buchen als die populärste und mitunter größte Band der alten Riege? Mit 'Highway Star' startet das erhabene Quintett in den Abend, doch die Begeisterungsstürme fallen verhältnismäßig schwach aus. Soundtechnisch ist hier alles in Ordnung, doch der Enthusiasmus der alten Herren war auch schonmal größer. Dabei gibt es wohl nur wenige Bands, die einen so Hit-geschwängerten Backkatalog haben wie DEEP PURPLE. Die Highlights in Form von 'Hard Lovin' Man', 'Into The Fire', 'Space Truckin' oder 'No One Came' werden auch alle ausgepackt, an einer schwachen Setlist liegt es heute also nicht. Zum Glück hat man den superben Steve Morse, der mit seinen Flitzefingern die Show etwas auflockert und zumindest etwas darüber hinwegtäuscht, dass Ian Gillan und Co langsam aber sicher ihren Bühnenabschied vorbereiten sollten. Die sich in Richtung True Metal Stage bewegenden Menschen verfestigen den Eindruck, dass die meisten sich schon einmal für RAMMSTEIN in Position bringen und DEEP PURPLE im Vorbeigehen mitnehmen. Mit Uli Jon Roths Gastsolo zu 'Smoke On The Water' schafft es die Band immer noch einmal, das Publikum zu reanimieren und zum Mitklatschen zu bewegen.

Eine halbe Stunde nach den verklungenen Akkorden DEEP PURPLEs sind über 80.000 Augenpaare auf die True Metal Stage gerichtet, die traditionell vom Donnerstags-Headliner eingeweiht wird. Dieses Jahr ist es vermutlich die aufwendigste Bühnenproduktion, die das Festival jemals gesehen hat. Schließlich hat man sich mit der Verpflichtung RAMMSTEINs von Seiten der Veranstalter einen großen Wunsch erfüllt, den an diesem Abend überdurchschnittlich viele Festival-Besucher teilen. Und zwar so viele, dass das Gelände vor den Bühnen kurzerhand dicht gemacht wird und etliche zahlende Gäste den Auftritt vom entfernten "Wackinger"-Gelände aus verfolgen müssen. Das merkt allerdings in den vorderen Reihen niemand, denn die Blicke sind ganz auf das Geschehen auf der Bühne gerichtet. RAMMSTEIN ist mehr als Musik, diesem Ruf wird die Band mehr als nur gerecht. Bereits während des Openers 'Ich Tu Dir Weh' werden Pyros gezündet, Lichtelemente auf- und abgefahren als gäbe es kein Morgen. Sänger Till Lindemann lässt sich auf einer Plattform vom Bühnendach auf die Bretter abseilen, man weiß, wie man sich inszenieren muss.
Während der folgenden, über 100-minütigen Show untermauert es vor allem der Frontmann selbst immer wieder, indem er wahlweise Keyboarder "Flake" Lorenz mit diversen überdimensionierten Flammenwerfern anzündet oder Raketen und Feuer über die Köpfe des Publikums hinweg in den Wackener Abendhimmel schießt. Wie kundige Fans berichten, gibt es heute die Produktion zu sehen, mit der man RAMMSTEIN auch auf ihrer Hallentour sehen kann. Kein Wunder, dass die Band perfekt eingespielt ist und jedes der (gefährlichen) Show-Elemente blind sitzt. Mitsamt einer superben Best-Of-Setlist ist RAMMSTEIN wohl der dankbarsten Headliner für dieses Festival.